Armenian Monasteries in Iran and their Maintenance

Armen Haghnazarian

Abstract

In contrast to Turkey, where Armenian monuments are abandoned and decaying, Iran is supporting the restoration and maintenance of important monasteries in the north-western part of the country - the former Armenian territory once known as Vaspuragan. It is thanks to the financial support of 'Terre et Culture' that the efforts can continue to be pursued.

The Thaddeus monastery, named after the apostel Thaddeus, which did some missionary work in the area with Bartholomew, is located near the town of Maku. The old church (7./9. c.) was rebuilt after the earthquake of 1319. The extension on its west side - as a second church, was erected in 1820.

The restauration work, being performed jointly by Persian and Armenian teams (RAA), is under way since 1983. The main damage to the monument was due to water infiltrating the flat roofs of the structure. This combined with extreme temperatures, ranging from -40° C during winter to +40 °C in summer, caused the protective stone outter layer to burst. Salt and fungus also formed on the surfaces of the remaining stone.

The roofs were uncovered and the following restauration work was done: The vaults were strengthened by a reinforcing concrete layer; annular vaults were constructed; and gargoyles and ventilating shafts added. The decaying surface stonework was carefully recorded, numbered, removed, restored and later reinstalled in the same position.

The monastery of Stepanos, located on the river Araxenes, underwent a similar procedure. Additonally, its bell tower, shifted by soil movement, had to be stabilized by a steel ring.

The third construction, the monastery church Dzordzor, dating from the 9./10. century, is located near the Thaddeus monastery. Due to the planned construction of a damm, the building was to be destroyed. During a construction delay of only two months, it was possible to collect extensive photogrammetric data about the building, number all of its stones and remove them one by one. Finally, the church was reconstructed on a nearby site at a higher elevation.








Armenische Klosteranlagen im Iran und ihre Betreuung

Armen Haghnazarian

Während Kirchen und Klöster in Sowjetarmenien sorgfältig restauriert werden - das Erdbeben hat auch hier Lücken geschlagen - gibt es in der Türkei bisher keine Möglichkeiten, hunderte Zeugen armenischer Kirchenbaukunst vor gewolltem Zerfall und mutwilliger Zerstörung zu retten, dasselbe gilt für armenische Gebiete in Sowjetaserbaidjan.

So ist es ermutigend, daß es im islamischen Nachbarland Iran möglich ist, bedeutende Klosteranlagen auf ehemalig armenischem Gebiet zu restaurieren. An dieser Aufgabe sind mehrere Gruppen beteiligt: Die persische Denkmalpflege erteilt die Genehmigung, schickt fachliche Berater und übernimmt einen Teil der Finanzierung. Die armenische Gemeinde ist durch das Oberhaupt der armenischen Kirche in Aserbaidjan mit Sitz in Täbriz und durch Denkmalpfleger und Architekten vertreten. Finanziell ist es der Gemeinde in den erschwerten Zeiten im Iran nicht möglich, genügend Mittel aufzubringen. Neben privaten Spenden ist es vor allem 'Terre et Culture', einer armenischen Organisation in Frankreich, zu verdanken, daß die Arbeiten fortgeführt werden können.

Bei den zu restaurierenden Anlagen handelt es sich vor allem um drei bedeutende Klöster, die im Nordwesten Irans nicht weit von der türkischen und sowjetischen Grenze liegen in den ehemalig armenischen Provinzen Ardaz und Gochtan im früheren Land Vaspuragan.

Abb. 1: Geographische Ausschnitt: Araratebene und Nord Iran.

Abb. 2: Situation.


Verbindungsstrassen
Nebenstrassen
Staatengrenzen
Klosteranlagen

Abb. 3: Grundriss des Klosters.

Das Thaddäuskloster, nach dem Apostel Thaddäus benannt, der zusammen mit dem Apostel Bartholomäus in diesem Gebiet missionierte, befindet sich in der Nähe der Stadt Maku. Die Anlage besteht aus zwei
Bereichen, dem Klosterhof mit Zellen, in dessen Mitte eine Doppel
kirche steht, und einem zweiten Hof mit Wirtschaftsräumen. Die ältere

Kirche aus dunklem Basalt wurde nach dem Erdbeben 1319 wiederauf

gebaut. Sie zählt zu den armenischen Kirchentypen, die im 7.- 9. Jh.
entwickelt wurden. Als Erweiterung wurde 1820 im Westen eine größere Kirche aus hellem Kalksandstein angebaut, die im Grundriß dem Vorbild Etschmiadsins folgt und deren Fassade mit reichem Reliefschmuck an die Klosterkirche Achtamar erinnert, ohne deren Aussagekraft zu erreichen.

Abb. 4: Ansicht von Süd-Osten [DAA- 4 © OEMME].

Bauphasen

1319 - 1490
1490 - 1665
1738
1810 - 1828
ab 1900












Abb. 5: Hochreliefs Beflügelten Engelköpfe bei der Aussenwände der Hauptkirche [DAA- 4 © OEMME].

Abb. 6: Teilinnenansicht der Hauptkirche

[DAA- 4 © OEMME].

Abb. 7: Ostfassade (Zeichnung) [DAA- 4 © OEMME].

Das Kloster liegt in einer extremen Klimazone mit sehr kalten, langen Wintern und kurzen, heissen Sommern.

In den 70er Jahren versuchte eine Gruppe von Vertretern der Unesco und der Universität Teheran, das Kloster zu restaurieren. Leider richteten sie durch Unkenntnis sowohl des Klimas wie auch der armenischen Bauweise großen Schaden an: Falsche Dachdeckung führte durch eindringende Feuchtigkeit und Frost zu Zerstörungen im Inneren und vor allem an der Außenfassade der hellen Kirche mit ihrem Reliefschmuck. Während die alte Kirche mit Steinplatten gedeckte Satteldächer aufweist, sind die Tonnengewölbe der neueren Kirche mit "Kagel", einer Strohlehmmasse gedeckt; diese Deckung bedarf ständiger Erneuerung. Die Gruppe von Vertretern der Unesco und der Universität Teheran überzogen die überalterten, schweren Lehmmassen mit einer Asphaltdecke. Durch die extremen Klimaunterschiede, im Winter -40° C und im Sommer bis +40° C, wurde der Asphalt rissig, und Wasser drang besonders in den Flachdachbereichen über den Apsiden ein. Neben Abplatzen der Steinplatten durch Frost kam es auch zu Pilz- und Salzbildungen.

Seit 1983 ist es den persischen und armenischen Denkmalpflegern möglich, gründliche Instandsetzungsarbeiten durchzuführen: Nach Einrüstung der Kirche von innen wurden die Dächer freigelegt, die Gewölbe mit einem Stahlbetonnetz überzogen und Entlastungsgewölbe gemauert mit Entlüftungsschächten und Wasserspeiern nach aussen. An der Nord- und Südapsis hatte eingedrungene Feuchtigkeit zur Abspaltung der äußeren Werksteinverkleidung vom inneren Steinkonglomerat geführt. Die Steinplatten mußten abgenommen, numeriert, ergänzt und vorsichtig wieder hochgemauert werden.

Abbildungen 8 bis 12: verschiedene Eingriffsetappen auf die Diensträume.

Abb. 8

Abb. 9

Abb. 10

Abb. 11

Abb. 12

Abb. 13: Grundriss des Klosters.

Die zweite Klosteranlage, das Kloster Stepanos Nachawga liegt am Araxes, dem Grenzfluss zur Sowjetunion). Die Geschichte reicht ins 9. Jh., der Legende nach wurde das Kloster von dem Apostel Bartholomäus gegründet. Die heutige Kirche stammt von 1650. Der Tambur mit reichem Reliefschmuck erinnert an Etschmiadsin. An der Klosteranlage wurde bis zum 19. Jh. weitergebaut.

Der Zustand des Klosters ist sehr kritisch. Trotz der Restaurierungsarbeiten ist der Zerfall nicht an allen Stellen aufzuhalten. Im Wirtschaftsbereich, am stark gefährdeten Glockenturm, am Zellentrakt und an der Befestigungsmauer wurde 1988 und 1989 weitergearbeitet.

Bauperioden



1589 oder vorher
vor 1641
1641 - 1680
1680 - 1726
etwa 1759 - 1832
etwa 1832 - 1900
ab 1900

Abb.15: Ansicht Ost (Zeichnung) [DAA- 10 © OEMME].

Abb. 16: Grundriss der Kirche.

Die dritte Anlage, die Kirche des Klosters Dzordzor zur Heiligen Maria, nicht weit vom Thaddäuskloster entfernt, sollte 1988 wegen eines geplanten Staudammes gesprengt werden. Der armenischen Gemeinde gelang es mit Unterstützung des persischen Denkmalschutzes, einen zweimonatigen Aufschub zu erreichen.

Die Kirche wurde fotogrammetrisch aufgemessen, die Steine wurden numeriert, sorgfältig abgetragen und an einer höhergelegenen Stelle unweit des alten Standortes gelagert. Nach der feierlichen Grundsteinlegung 1988 wurde die Kirche Dzordzor wieder aufgebaut. Anhand von Fundstücken gelang es, die eingestürzte Kuppel mit Faltdach zu rekonstruieren. Seit 1989 behauptet die Kirche wieder ihren Platz in der Landschaft als Zeuge einer alten christlichen Kultur eines kleinen, bis heute bedrohten Volkes.

Abb.14: Ansicht aus Süd-Ost, der Tambour des Glockenturmes und, hinten, der Hauptkirche [DAA- 10 © OEMME].

Abb.17: Rekonstruktion der Südfassade.

Abb.18: Südwestliche Ansicht [DAA- 20 © OEMME].

Literatur

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Abb. 19: Miniatur.