Völkermord und Verdrängung
Der Genozid an den Armeniern - Die Schweiz und die Shoah
Das vorliegende Buch lädt mit facettenreichen
Beiträgen zu einer breiten, interdisziplinären Auseinandersetzung
mit dem Faktum der systematischen Vernichtung einer Volksgruppe ein.
Der lange Weg für die Anerkennung und Verurteilung
des Völkermordes an den Armeniern verdeutlicht exemplarisch politische
und rechtliche Probleme. Ergänzt um Beiträge, welche die zeitgenössischen
Reaktion in der schweizerischen Öffentlichkeit sowie die weltweiten
Vorstösse zur Verurteilung und die türkischen Gegenmassnahmen
bis heute nachzeichnen, schildert der Historiker Vahakn Dadrian die Abläufe
und Hintergründe dieses Genozids. Nationalrätin Angeline Fankhauser
geht auf die stumme Haltung des Schweizer Parlaments gegenüber der
Petition zur Anerkennung und Verurteilung, der Strafrechtler Marcel Niggli
auf die Rechtslage für die noch hängige Anzeige wegen Leugnens
dieses Völkermordes ein.
Die Konvention über die Verhütung und Bestrafung
des Völkermordes, 1948 eine der ersten Initiativen der UNO, wird nun
voraussichtlich Ende 1998 dem Parlament zur Ratifikation vorgelegt. Der
Völkerrechtler Dietrich Schindler stellt diese Konvention vor. In
weiteren Artikeln werden Fragen der Umsetzung in nationales Recht sowie
der Anwendung in Ruanda diskutiert.
Eine Schlüsselrolle kommt bei der Beschäftigung
mit Völkermord den Historikern und Journalisten zu, die das Geschichtsbild
der Öffentlichkeit stark prägen. Der Geschichtsprofessor Urs
Altermatt beschreibt Verfolgung und Völkermord in diesem Jahrhundert.
Grundsätzliche Fragen wirft der Geschichtsphilosoph Christoph Dejung
auf, während die Historiker Daniel Wildmann, Raphael Gross und Werner
Konitzer über die Bemühungen zur weiteren Klärung der Rolle
der Schweiz im Zweiten Weltkrieg nachdenken. NZZ Redaktor Reinhard Meier
legt dar, weshalb die Auseinandersetzung mit Jahrzehnte zurückliegenden
Ereignissen für demokratische Gesellschaften unerlässlich, ja
sogar nützlich ist.
Das Buch mit einem Geleitwort von Dr. Jacques Picard, Forschungsleiter der «Unabhängigen Expertenkommission: Schweiz - Zweiter Weltkrieg», umfasst 198 Seiten und ist Ende März 1998 beim Chronos Verlag, Zürich (ISBN 3-905312-40-9) erschienen; Preis: DM 38,50 / S 245.- / CHF 34.--