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Postulat (Vaudroz-) de Buman
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Merci à tous ces journaux qui
ont pris le temps de s'informer, de consulter les historiens et les documents
du passé, pour informer le public suisse sur la réalité
du génocide des Arméniens.
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Lundi 8 décembre 2003 - Montag
8.
Dezember 2003
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Tages Anzeiger online | nab / sda | Bern | Kirchen fordern Völkermord-Anerkennung
Die
drei Landeskirchen der Schweiz setzen sich für die Anerkennung des Völkermordes
an Armeniern ein. Sie fordern vom Parlament, ein entsprechendes Postulat
zu unterstützen.
Die
Ermordung von über einer Million armenischer Christen zwischen 1915
bis 1918 gehöre zu den dunkelsten Kapiteln der türkischen Geschichte,
schreiben der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK), die Schweizer
Bischofskonferenz (SBK) und die Christkatholische Kirche der Schweiz in einer
Mitteilung. [...]
Der
Bund | sda | Réd. Markus Schütz | Kirchen verlangen Anerkennung des Völkermordes an Armeniern
Die drei Landeskirchen setzen sich gemeinsam für die Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern im Jahr 1915 ein. [...]
Für
die Kirchen wäre dies ein konstruktives politisches Signal und ein Zeichen,
das zu Versöhnung und zum Dialog aufrufen und eine Hoffnungsbotschaft
für alle Armenier bedeuten würde. Indem man sich auch den dunklen
Kapiteln der historischen Wahrheit stelle, werde gleichzeitig ein wesentlicher
Beitrag zur Prävention von Völkermord geleistet. [...]
Bluewin.ch | sda | Schweizer Kirchen für Anerkennung des Völkermordes an Armeniern
Die
Ermordung von über einer Million armenischer Christen zwischen 1915
bis 1918 gehöre zu den dunkelsten Kapiteln der türkischen Geschichte,
schreiben der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK), die Schweizer
Bischofskonferenz (SBK) und die Christkatholische Kirche der Schweiz in einer
Mitteilung. [...]
Nun
rufen die nationalen Landeskirchen das Parlament dazu auf, in der Wintersession
das von Nationalrat Dominique de Buman (CVP/FR) getragene Postulat zu unterstützen. [...]
Teletext | Seite 116 | Kirchen fordern Völkermord-Anerkennung
Die drei Landeskirchen setzen sich für die Anerkennung des Völkermordes von 1915 an Armeniern ein. [...]
SwissInfo | sda / ats | Bern | Schweizer Kirchen für Anerkennung des Völkermordes an Armeniern
Die
drei Landeskirchen der Schweiz setzen sich für die Anerkennung des Völkermordes
von 1915 an Armeniern ein. Sie fordern vom Parlament, in der Wintersession
2003 ein entsprechendes Postulat zu unterstützen. [...]
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Samedi 29 novembre 2003 - Samstag
29.
November 2003
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Berner Zeitung | Jürg Steiner, Zeitpunkt
| Bern | Armenier. Die Last der Geschichte
Sarkis
Shahinian, der Völkermord an den Armeniern liegt 88 Jahre zurück,
doppelt so lange wie der Holocaust an den Juden. Was bringt es Ihnen denn
noch, wenn die Schweiz ihn heute offiziell anerkennen würde?
Sarkis Shahinian: Die Verbindung zu meinen Wurzeln. Sehen Sie, ich bin heute
vor allem damit beschäftigt, mit dem zurecht zu kommen, was damals passiert
ist.
Aber es waren ja nicht Sie persönlich, die den Völkermord erlebt haben?
Natürlich nicht. Mein Vater war gerade sieben Tage alt, als mein Grossvater
1915 mit ihm zuerst nach Bagdad und Jahre später nach Athen flüchtete.
Ich selber bin in Lugano geboren. Meine Mutter war in Istanbul aufgewachsen
mit dem türkischen Geschichtsbild, wonach die Massaker kein geplanter
Völkermord waren. Diese unterschiedlichen Auffassungen prägten
unsere Familie - und ich wurde angetrieben, mich für die Anerkennung
des Genozids einzusetzen. [...]
Berner Zeitung | Jürg Steiner, Zeitpunkt
| Bern | Schweiz - Türkei. Geschichte einer zerbrechlichen Liebe
Das
Verhältnis zwischen der Schweiz und der Türkei ist wie eine Liebe
sbeziehung. Offen und unbeschwert, wenn man sich mittags am Kebab-Stand verpflegt
oder an die türkischen Mittelmeerstrände in die Ferien fliegt.
Irrational, kompliziert und mitunter gehässig, wenn es um Politik geht.
Kaum ein anderes Land bringt die Schweiz so schnell in diplomatische Nöte
wie die Türkei - und bei kaum einem anderen Land bemüht sich die
Schweiz so eilfertig, aufkommende Verstimmungen zu beruhigen. Trotz-dem ist
die alte Liebe in den letzten Jahren immer wieder in kleinere und grössere
Krisen gestürzt. Die letzte ist kaum ausgestanden - schon steht die
nächste vor der Tür: Anfang Oktober platzte eine geplante Reise
von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey in die Türkei, was vorübergehend
zu unfreundlichen Kommentaren auf beiden Seiten führte. Dieser kleine
Streit ist beigelegt. Nun droht ein grösserer. [...]
Berner Zeitung | Jürg Steiner, Zeitpunkt | Bern | Türkei. Die Sicht auf die Schweiz
Herr
Botschafter, ist es richtig, dass die Beziehungen der Türkei zur Schweiz
nach der Verschiebung der Reise von Bundesrätin Calmy-Rey im Oktober
angespannt sind?
Metin Örnekol: Keineswegs. Der Eindruck von Hochspannung in den schweizerisch-türkischen
Beziehungen ist künstlich entstanden durch eine Kampagne in der Presse
sowie Erklärungen einzelner Politiker. Man stellte die Verschiebung
als Absage dar und sprach gar von einem Affront meines Landes gegenüber
der Schweiz. Wahr ist weder das eine noch das andere.
Was ist denn die Wahrheit?
Wir haben die Verschiebung des Datums der Türkei-Reise von Frau Calmy-Rey
angeregt, damit sie in einer günstigeren Atmosphäre stattfinden
kann. Ende September hatte der Grosse Rat des Kantons Waadt den so genannten
Genozid an den Armeniern anerkannt. Das hat in der türkischen Öffentlichkeit
heftige Reaktionen ausgelöst [...]
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Samedi 15 novembre 2003 - Samstag
15.
November 2003
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Le Matin | Bern | Le National débattra du génocide arménien
Avant
que les modalités du voyage de Micheline Calmy-Rey en Turquie soient
fixées, la Chambre du peuple va se pencher sur un postulat demandant
la reconnaissance des massacres de 1915 Le bureau du Conseil national n'a
cédé à aucune pression. [...]
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Vendredi 15 novembre 2003 - Freitag
14.
November 2003
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Tages
Anzeiger | Bruno Vanoni
| Bern | Neues Ungemach mit der Türkei
Das
Büro des Nationalrats muss wieder einmal entscheiden, ob in der nächsten
Session über den Völkermord an den Armeniern diskutiert werden
soll. Die Zeit dafür ist aussenpolitisch heikel. [...]
Dennoch
ist es auch für John Clerc, gewissermassen den Chefdiplomaten des Parlaments,
diesmal keine Frage, dass das Postulat im Dezember traktandiert werden muss.
Ein Entwurf fürs Sessionsprogramm sieht am 16. Dezember denn auch Zeit
vor für die Behandlung von parlamentarischen Vorstössen aus der
Domäne des EDA. Und das Völkermord-Postulat, das vom Bundesrat
bekämpft wird, müsste von seinem Alter her fast zuoberst auf der
Traktandenliste stehen. [...]
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Postulat Sandri - Voyage de Mme Calmy-Rey en
Turquie
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Merci à tous ces journaux qui
ont pris le temps de s'informer, de consulter les historiens et les documents
du passé, pour informer le public suisse sur la réalité
du génocide des Arméniens.
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Dimanche 26 octobre 2003 - Sonntag
26.
Oktober 2003
|
Tages Anzeiger online | Bern | Türkischer Geheimdienst soll Calmy-Rey ausspioniert haben
Ein Artikel des "Tages-Anzeiger" bringt die Schweizer
Bundesanwaltschaft (BA) auf den Plan: Nach Angaben der Zeitung soll der
türkische Geheimdienst die Schweizer Aussenministerin Micheline
Calmy-Rey ausgekundschaftet haben. [...]
Sollte die BA auf Hinweise stossen, dass der türkische Geheimdienst
Calmy-Rey auskundschaftete, muss die Behörde von Amtes wegen eine
Strafuntersuchung wegen verbotener nachrichtendienstlicher Tätigkeit
auf Schweizer Staatsgebiet einleiten. [...]
Blick | Henry Habegger und Daniela Gisler | Ein Schmierenstück in 7 Akten - So wurde Calmy-Rey in die Türken-Falle gelockt
Fiese Intrige gegen Micheline Calmy-Rey. Couchepin und Metzler lockten
sie in eine Falle. [...]
In
den Departementen Couchepin und Metzler liegen die Nerven blank, der
schwarze Peter wird hin- und her geschoben. «Kein Kommentar», sagt
Metzler-Sprecher Hans Klaus, und erklärt die Sache für «aufgebauscht».
Couchepin-Sprecher Jean-Marc Crevoisier liefert eine schriftliche
Erklärung, die inhaltlich nichts klärt. Er sagt nur: Couchepin habe mit
der Sondersitzung versucht, «die Wogen zu glätten.»
Und Bundesrätin Metzler geht tanzen. Am Zürcher Presseball. [...]
Le Matin | Michel Zendali | Des barbouzes turques créent la panique au Conseil fédéral
[...] A
la fin d’août, la Direction pour le développement et la
coopération (DDC) tient ses assises annuelles à Lausanne. Dans
le cocktail qui suit et qui rassemble plusieurs centaines de personnes, Micheline
Calmy-Rey est alors approchée par un personnage d’origine kurde. [...]
Cet incident n’échappe pas à un
espion turc qui est dans la salle. Ce dernier avertit son service à
Ankara. L’affaire prend alors une dimension inattendue et, en septembre,
le gouvernement turc annule purement et simplement la visite que doit y
effectuer Micheline Calmy-Rey. Officiellement – c’est en tout cas
la version qu’en donne le DFAE lui-même – les Turcs se disent
offensés par la reconnaissance du génocide arménien
que s’apprêterait à voter le Grand Conseil vaudois. [...]
C’est alors qu’arrive au Service d’analyse et de prévention (SAP) de
l’Office fédéral de la police une note des services secrets turcs. «Si
votre ministre n’est pas persona grata à Ankara, c’est parce qu’elle
prête une oreille trop attentive aux opposants kurdes.» [...]
– Une ministre – Micheline Calmy-Rey – n’a-t-elle pas le droit de
parler avec qui bon lui semble sans qu’un espion turc en soit
immédiatement informé?
– Comment un service suisse – celui d’analyse et de prévention d’Urs
von Däniken – peut-il prêter foi aux allégations d’un autre service,
sachant que ce dernier pratique le mensonge et la désinformation par
métier?
– Comment une autre ministre – Ruth Metzler cette fois – peut-elle en
faire de même et ne pas prévenir sa collègue et donner à l’affaire sa
vraie dimension? [...]
|
Samedi 25 octobre 2003 - Samstag
25.
Oktober 2003
|
Tages
Anzeiger | Bruno Vanoni
| Bern | Geheimdienst-Intrige im Bundesrat
Bundespräsident Couchepin und Bundesrätin Metzler nahmen ihre Kollegin
Calmy-Rey in die Zange - gestützt auf Anwürfe des türkischen
Geheimdienstes.
Der Vorfall liegt drei Wochen zurück und hätte nie publik
werden sollen: Nachdem die Türkei den geplanten Besuch von
Aussenministerin Micheline Calmy-Rey abgesagt hatte, wurde sie vom
türkischen Geheimdienst im Bundesamt für Polizei (BAP) angeschwärzt:
Sie habe in Lausanne einen Vertreter einer staatsfeindlichen
Kurdenorganisation getroffen. Der BAP-Dienst für Analyse und Prävention
gab die Information ungenügend überprüft an Bundesrätin Ruth Metzler
weiter. Diese wiederum gelangte damit an Bundespräsident Pascal
Couchepin, den erklärten Rivalen von Calmy-Rey in der Regierung. [...]
Tages
Anzeiger | Bruno Vanoni
| Bern | Mit fremdem Geheimdienst gegen Kollegin
So steht es um die viel gepriesene Kollegialregierung: Gestützt auf
türkische Geheimdienstangaben, gingen Ruth Metzler und Pascal Couchepin
gegen Micheline Calmy-Rey vor.
Wer herausfinden will, was Nachrichtendienste wirklich
taugen, stösst zuweilen auf unglaubliche Informationen. Im vorliegenden
Fall legen sie ein peinliches Fazit nahe: In der Schweiz sind die
geheimen Informationsbeschaffer zumindest in der Lage, Material für
Intrigen zu liefern und Zwietracht im Bundesrat zu schüren. [...]
Bundespräsident Couchepin sah dem Vernehmen nach nämlich die
Gelegenheit gekommen, um seine Rivalin Calmy-Rey mit Metzlers
Geheimdienst-Hilfe in die Zange zu nehmen. Und ihr vor dem versammelten
Bundesrat einen schweren Fehltritt nachweisen zu können. Doch Calmy-Rey
bekam von den Hintergründen der Sondersitzung doch noch rechtzeitig
Wind. Noch am Vortag stellte sie Ruth Metzler zur Rede, die zuvor bei
einem persönlichen Zusammentreffen im Rahmen des Sicherheitsausschusses
kein Wort über die Angelegenheit verloren haben soll. [...]
Tages Anzeiger online | grü / sda | Bundesanwaltschaft ermittelt
[...] Bei der Bundesanwaltschaft (BA) sei man bei der Lektüre des
Artikels «stutzig» geworden, sagte BA-Sprecher Hansjürg Mark Wiedmer
auf Anfrage. «Wir werden die nötigen Abklärungen bezüglich des dort
dargestellten Sachverhalts treffen», fügte er hinzu.
«Selbstverständlich wollen wir wissen, was Sache ist.»
Sollte die BA auf Hinweise stossen, dass der türkische
Geheimdienst Calmy-Rey auskundschaftete, muss die Behörde von Amtes
wegen eine Strafuntersuchung wegen verbotener nachrichtendienstlicher
Tätigkeit auf Schweizer Staatsgebiet einleiten.
Calmy-Rey kommentierte den Bericht des «Tages-Anzeigers» am
Rande ihres Besuchs in New York nur kurz: «Das zeigt, dass die Kurden
vom türkischen Geheimdienst sehr genau überwacht werden.» [...]
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Dimanche 5 octobre 2003 - Sonntag
5.
Oktober 2003
|
Basler Zeitung online | sda / BaZ | Bern | Neuer Türkei-Termin für Bundesrätin Calmy-Rey
[...] Laut
dem türkischen Aussenminister Abdullah Gül, der sich am Freitag
in der Internet-Ausgabe der türkischen Zeitung «Sabah» zum
Thema äusserte, ist die Schweiz ein Land von grosser Wichtigkeit für
die Türkei. [...]
Der Bundesrat hingegen hatte bisher in diesem Zusammenhang immmer das Wort Genozid vermieden. Die Gesellschaft Schweiz- Armenien (GSA) kritisierte die Haltung des Bundesrates. [...]
Tages Anzeiger online | mu / sda | Neuer Termin für Türkei-Besuch
Ein neuer Termin für den Besuch von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey in der Türkei wird im Dezember festgelegt. [...]
Die Einflussnahme der Politik auf wirtschaftliche Beziehungen werde laut der WTO klar verboten, schrieb die GSA
in einer Mitteilung vom Sonntag. «Die Wirtschaft darf nicht als politisches
Instrument missbraucht werden.» Laut Bundesrat sind gute Beziehungen
zur Türkei wichtig, «denn es handelt sich um ein Land, mit dem
die Schweiz sowohl auf politischer als auch auf wirtschaftlicher Ebene einen
engen Kontakt pflegen möchte», hiess es am Freitag nach einer
Bundesratssitzung.
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Vendredi 3 octobre 2003 - Freitag
3.
Oktober 2003
|
Der
Bund | sda / mmü
| Michael Müller |
Türkei-Reise
abgesagt
Die
Aussenpolitische Kommission des Ständerats reagiert auf die Annullation
des Besuchs von Bundesrätin Calmy-Rey
Der Streit zwischen der Türkei und der Schweiz um die Absage der Visite
von Calmy-Rey wirft weiter Wellen. Die Aussenpolitische Kommission des Ständerats
verschiebt überraschend ihre Reise in die Türkei. Und Ankaras Presse
richtet Vorwürfe an die Schweiz. [...]
APK-Mitglied Michel Béguelin (sp, VD) sagte
an der Pressekonferenz: «Wenn die Bedingungen für einen Türkei-Besuch
für Bundesrätin Micheline Calmy-Rey nicht stimmen, dann sind sie
auch für die Reise unserer Kommission nicht günstig.» Reimann
ergänzte: «Die Türkei musste damit rechnen, dass wir nicht
süss lächelnd zur Tagesordnung übergehen.» [...]
Einer der Gründe für den Zorn in der
Türkei dürfte sein, dass ausgerechnet in Lausanne ein Kantonsparlament
den Völkermord anerkannte. In der Stadt am Genfersee wurden vor 80 Jahren
die heutigen Grenzen und die Souveränität der modernen Türkei
festgelegt. [...]
Politik
Digital | - | CVP Parteipräsident setzt Wählerstimmen
seiner Partei in der Romandie aufs Spiel
[...]
Völlig unverständlich ist die Reaktion
des Präsidenten der CVP, der jetzt die Frage stellt, ob das EDA die
„Aussenpolitik der Kantone nicht besser überwachen müsste“ (Philippe
Staehelin in „Der Bund“, 2.Oktober 2003). [...]
Es sind seine Parteifreunde in der Romandie, die
vorab in Genf dafür einstehen, dass dieses dunkle Kapitel in der türkischen
Republik endlich aufgearbeitet wird. (Postulat Jean-Michel Vaudroz, CVP).
Es ist seine Partei, die das C im Logo der Partei führt und die
bei jeder sich bietenden Gelegenheit die „Werte“ in den Vordergrund stellt,
vorab die Einahltung der „Human Rights“. Die Türkei, die ante portas
der EU steht, fürchtet nichts mehr als den erhobenen Mahnfinger über
ein dunkles Kapitel ihrer Geschichte. [...]
Tages Anzeiger | Hans-Lukas
Kieser* | Türkei-Schweiz:
Eine schwierige Liebesbeziehung
[...]
Die idealisierte Liebe der türkischen Nationalisten
zur Schweiz und insbesondere zu Lausanne stammt aber nicht erst aus dem Jahre
1923, sondern aus der Geburtsstunde des organisierten türkischen Nationalismus
(«Türkismus») im Jahre 1911. Damals wurden in Lausanne und
Genf türkische Klubs gegründet - so genannte Foyers Turcs.
[...]
Jahrzehntelang für die Schweizer Armenienhilfe
in Ostanatolien tätige Menschen wie der Appenzeller Jakob Künzler
oder die Baslerin Beatrice Rohner haben zusammen mit ihren Kolleginnen und
Kollegen aus anderen Ländern nicht nur einen grossen Dienst an den Opfern
der Verfolgung und an vielen muslimischen Hilfsbedürftigen geleistet.
Sie haben auch wichtige historische Zeugnisse hinterlassen. [...]
* Der Autor ist Dozent für moderne nahöstliche Geschichte an der
Uni Zürich
Tages
Anzeiger | Bruno Vanoni
| Bern | Reise abgesagt,
Völkermord bejaht
[...]
Dann erinnerte [APK-Präsident Reimann] daran,
dass durch die damaligen Massaker und Deportationen zwischen 800 000 und
1,5 Millionen Menschen gewaltsam umgekommen seien. Angesichts dieser Opferzahlen
«kann man doch nicht die Augen verschliessen und einfach von einem
Unheil sprechen», sagte Reimann. «Ich glaube, das Wort Völkermord
ist da zumindest im landläufigen Sinne schon angebracht.» Mit
dieser Feststellung ist der APK-Präsident des Ständerats weiter
gegangen, als der Bundesrat bisher zu gehen wagte: Er hat sich bisher darauf
beschränkt, die «tragischen Ereignisse» von 1915 zu bedauern
und zu verurteilen. Ihre Anerkennung als Völkermord aber hat er bisher
stets abgelehnt, und der Nationalrat ist ihm dabei unter grossem türkischem
Druck im März 2001 noch ganz knapp gefolgt. [...]
Neue
Zürcher Zeitung | brom | Bern | Sprengkraft
des Wortes - Ständeratskommission verschiebt Türkeireise
[...]
Der Bundesrat hat bisher das Wort Genozid tunlichst
vermieden. Er beantragt denn auch Ablehnung des jüngsten Vorstosses,
bedauert und verurteilt jedoch in seiner schriftlichen Antwort die «tragischen
Massendeportationen und Massaker in der Endphase des Osmanischen Reiches».
Der Bundesrat ist aber der Meinung, dass die dunklen Kapitel der Geschichte
vor Ort und durch die betroffenen Länder aufgearbeitet werden sollen.
APK-Präsident Reimann legte diese diplomatische Zurückhaltung ab,
als er auf die Frage eines Journalisten sagte, für die Ermordung von
800 000 bis 1,5 Millionen Armeniern sei die Bezeichnung Völkermord «im
landläufigen Sinn» angebracht. «Wahrscheinlich ist der Begriff
vermutlich richtig», sprach Reimann etwas gewundenen Klartext - aufs
Risiko hin, das Feuer zu nähren, statt zu ersticken.
|
Jeudi 2 octobre 2003 - Donnerstag 2. Oktober 2003
|
Tages Anzeiger | Bruno
Vanoni | Bern | Von Calmy-Rey signiert, im Parlament
traktandier
Was die Türkei verärgert,
der Bundesrat ablehnt und der Nationalrat noch diskutieren wird, hat Micheline
Calmy-Rey schon 1998 unterschrieben: Die Armenier erlitten Völkermord. [...] Im Aussenministerium (EDA) wird jedoch
versichert, türkische Gesprächspartner hätten keinerlei Hinweise
in diese Richtung deponiert. Und Bundesrätin Calmy-Rey winkt selber
ab: Sie «glaubt nicht», dass ihre Genfer Unterschrift bei der
«übertriebenen Reaktion» eine Rolle gespielt habe, versicherte
sie am Rande der Unesco-Generalversammlung in Paris dem TA.
Für Kenner der türkischen Politik besteht jedoch kein Zweifel,
dass Calmy-Reys Mitwirken an der Genfer Erklärung den Behörden in
Ankara bekannt ist: «Alles, was das Thema Genozid betrifft, wird hier
genauestens registriert.» [...]
Tages Anzeiger | Daniel Suter | Kommentar:
Die Türkei und ihre Schatten
Verleugnete Geschichte verschwindet
nicht im Vergessen. Das erlebt die Türkei seit Jahrzehnten. Was die
türkischen Machthaber 1915 der armenischen Zivilbevölkerung im
Osmanischen Reich angetan haben, bricht wie eine eiternde Wunde immer wieder
auf. Es war ein Völkermord, das haben 1985 die Uno und 1987 das Europäische
Parlament festgestellt [...]
Le Temps | Yves Petignat | La Suisse a des intérêts
à préserver en Turquie
Exportations, afflux de réfugiés,
la Suisse a beaucoup de raisons de ne pas jeter de l'huile sur le feu après
l'annulation par la Turquie du voyage de Micheline Calmy-Rey. La question
du génocide arménien est un véritable tabou pour la
société turque qui ne découvre que peu à peu
la réalité historique. [...]
Le Temps | Eric Biegala | Istanbul | La
question arménienne
La question arménienne, un
sujet particulièrement sensible au sein de la diplomatie turque.
[...]
Dès 1985, les manuels scolaires turcs
comportent tous un laïus de propagande destiné à charpenter
l'argumentaire officiel pour tout un chacun. Résultat: du ministre
en exercice au chauffeur de taxi, en passant par l'intellectuel libéral,
chacun fourbit des arguments absolument similaires sur la question. Les plus
convaincus allant jusqu'à retourner l'accusation, faisant des Turcs
les victimes des Arméniens en 1915. [...]
Parallèlement, la société
turque commence à se poser quelques questions. Si les habitants des
zones d'Anatolie anciennement peuplées par les Arméniens sont
parfaitement conscients de la réalité des massacres de 1915,
l'élite n'a découvert que très récemment les pages
sombres de son histoire nationale. [...]
Neue Zürcher Zeitung online | bre | Seilziehen
um abgesagte Türkei-Visite
Die Aussenpolitische Kommission des
Ständerats will den jüngsten Eklat in den Beziehungen zwischen
der Türkei und der Schweiz bereits am Donnerstag erörtern, wie
deren Präsident Maximilian Reimann (Aargau, svp.) mitteilte. Er bezeichnete
das Vorgehen als einen unhöflichen Akt. [...] Die Gesellschaft Schweiz-Armenien
zeigte sich entsetzt über die demokratieverachtende Haltung der türkischen
Regierung, wie sie in einer Mitteilung schrieb.
Basler Zeitung online | sda / BaZ | Bern | Ständeratskommission
verschiebt Türkei-Reise
[...] Mit 7 zu 5 Stimmen habe die
APK [Aussenpolitische
Kommission] im Beisein von Calmy-Rey die Vertagung der Reise auf das
nächste Jahr beschlossen.
Die APK möchte auch Fragen um den «Völkermord» an
den Armeniern im osmanischen Reich 1915 zur Sprache bringen, sagte Reimann.
In dieser Frage reagiere die Türkei «äusserst sensibel».
Aus seiner Sicht sei das Wort «Völkermord», wie es im landläufigen
Sinne verstanden werde, angebracht.
24 heures | Anne Kaufmann | Piquée
au vif, la Suisse mise quand même sur le dialogue
Après l'annulation de la visite
de Micheline Calmy-Rey, comment répondre au camouflet turc? Le monde
politique balance entre opposition frontale et discussion. [...]
«Et si c’était le moment de tenter
un coup de force?» Hier matin, un petit groupe de députés
qui militent pour la reconnaissance du génocide arménien par
le Conseil national, s’est posé la question. Certains d’entre eux voulaient
essayer de faire modifier l’ordre du jour. Le but: imposer une discussion
immédiate autour du postulat du démocrate-chrétien genevois
Jean-Claude Vaudroz (24 heures d’hier) qui demande le geste symbolique qu’a
accompli le Grand Conseil vaudois le mois dernier au grand déplaisir
de la Turquie. Ils y ont finalement renoncé.
«J’ai plaidé pour que l’on attende la session de décembre
comme prévu, explique Jean-Claude Vaudroz. Il ne reste plus que deux
jours de session, alors, pour de simples raisons pratiques, ce serait difficile.»
Le député voulait également éviter de braquer
les élus hésitants. «J’estime aussi qu’il faudra avoir
un débat serein.» [...]
Der Bund | sda / mmü | Michael Müller
| «Affront» gegenüber
der Schweiz
[...] Im Bundeshaus haben gestern
Vertreter aller Parteien die Absage der Calmy-Rey-Reise verurteilt. Die bürgerlichen
Parteien warnen jedoch vor einer Überbewertung des Streits und verweisen
auf die Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und der Türkei.
Die Gesellschaft
Schweiz-Armenien zeigte sich gestern entsetzt über die Reaktion
Ankaras. Diese mache deutlich, dass in der Türkei die Achtung der Menschenrechte
und die Demokratie noch nicht europäisches Niveau erreicht hätten.
[...] Der Völkermord an den Armeniern 1915 bis 1918 gilt heute als
historische Tatsache. Im Ersten Weltkrieg verdächtigten die türkischen
Behörden die christlichen Armenier, mit dem Feind Russland zusammenzuarbeiten.
Es kam zu Massakern und ab 1915 zur Deportation Hunderttausender Armenierinnen
und Armenier in die Wüste Mesopotamiens.
Der
Bund online | sda | Ständeratskommission
verschiebt Türkei-Reise
Die
Aussenpolitische Kommission (AKP) des Ständerates verschiebt ihre Informationsreise
in die Türkei. [...]
Der Bundesrat hat bisher immmer das Wort Genozid
vermieden. Er beantragt, ein Postulat von Nationalrat Jean-Claude Vaudroz
(cvp, GE) und 113 Mitunterzeichnern «zur Anerkennung des Völkermordes»
von 1915 abzulehnen. Dieser Vorstoss dürfte in der Dezembersesssion
behandelt werden. [...]
St. Galler Tagblatt online | Bettina Spoerri |
Gegen
das Vergessen
Nerses Boyadjian ist ein 84-jähriger
Mann mit wachen Augen. Schon als Kind hatte er, wie seine Eltern, eine Odyssee
voller Abschiede hinter sich. Seine Eltern gingen Anfang 1915 aus Furcht
vor weiteren Pogromen gegen Armenier auf die Flucht: aus dem Gebiet der heutigen
Türkei über Odessa, Wladiwostok, Yokohama in Japan nach Singapur,
bis sie 1918 in Alexandria landeten. [...] Mit Nerses Boyadjian kamen
Tausende von armenischen Kindern in den 20er-Jahren nach Europa - Hunderte
von ihnen nach Frankreich und in die Schweiz. Denn im Gegensatz zur offiziellen
Schweiz engagierten sich Privatpersonen, Politiker und Kirchenleute bereits
ab 1895 mit solidarischen Aktionen. Dabei spielte eine wesentliche Rolle,
dass die Armenier Christen sind. Im östlichen Teil der heutigen Türkei
wurden Hilfswerke und Spitäler eingerichtet. Schweizer, die in den Hilfswerken
arbeiteten, wie zum Beispiel der Appenzell-Ausserrhoder Jakob Künzler,
waren Augenzeugen des Genozids an den Armeniern. Genf nahm zwischen 1895
und bis Ende der 1920er-Jahre viele armenische Flüchtlinge auf.
[...]
SwissInfo online Italiano | swissinfo e agenzie | Genocidio
o «danni collaterali» della guerra?
[...] Cosa è successo nel
1915 al popolo armeno? «Deportazioni e massacri dovuti alla guerra»,
dice la Turchia, «il primo genocidio della storia moderna», ribattono
gli storici.
A lungo dimenticata, la tragedia degli armeni è ora una spina nel
fianco della Turchia che respinge ogni accusa.
Per molti storici, il massacro degli armeni, avvenuto ad opera delle milizie
turche tra il 1915 e il 1918, è il primo genocidio della storia moderna
ad essere stato organizzato da uno stato, la Turchia.
«Genocidio» è la parola che molte organizzazioni umanitarie
e molte nazioni hanno deciso di adottare per parlare della tragedia armena.
Una scelta che si scontra con le veementi proteste della Turchia. [...]
SwissInfo online English | swissinfo with agencies | Swiss
play down Turkish rebuff
[...] The Turkish government withdrew
the invitation shortly after a Swiss cantonal parliament officially recognised
the massacre of hundreds of thousands of Armenians in 1915 as genocide.
[...] It is not the first time diplomatic relations between Switzerland
and Turkey have been strained.
In June 1993, a guard inside the Turkish embassy in Bern opened fire on
Kurdish protesters, killing one person and injuring nine others, including
a Swiss police officer. The suspect claimed diplomatic immunity and left
the country.
The cantons of Geneva and Vaud have now recognised the slaughter of Armenians
as genocide, following the lead of nations such as France and Russia, as well
the United Nations human rights panel. [...]
|
Mercredi 1er octobre 2003 - Mittwoch 1. Oktobre 2003
|
Tages
Anzeiger | Bruno Vanoni
| Bern | Calmy-Rey von ganz oben ausgeladen
Hinter dem Entscheid, die Schweizer
Aussenministerin nicht zum geplanten Besuch zu empfangen, steht der türkische
Premier Tayyip Erdogan.
Von einer «übertriebenen Reaktion» sprach Bundesrätin
Micheline Calmy-Rey, nachdem sie von ihrer Ausladung durch die türkischen
Behörden erfahren hatte: Weil das Waadtländer Kantonsparlament letzte
Woche den Völkermord an den Armeniern anerkannt hatte, ist der Besuch
der Schweizer Aussenministerin der Türkei nächste Woche nicht mehr
genehm. [...]
Der türkische Botschafter in Bern
war noch am Dienstag ins Aussenministerium zitiert worden, wie das EDA erst
gestern bekannt gab. Heute Morgen will die Aussenpolitische Kommission des
Ständerates entscheiden, ob sie im November wie geplant zu einem Besuch
in die Türkei reisen will. [...]
Tages Anzeiger online | grü / sda | Diplomatische
Krise geht weiter
Tages Anzeiger online | cpm / sda | Schweizer Botschafter in Ankara spricht
von «Affront»
[... Der Schweizer Botschafter Kurt]
Wyss war am Montag ins türkische Aussenministerium
bestellt worden. Die Frage des armenischen Völkermordes sei in der Türkei
ein Tabuthema. Trotzdem sei das Gespräch in Ankara «herzlich»
verlaufen.
Tages Anzeiger | - | Ankara brüskiert die Schweiz
[...] Seit anderthalb Jahren harrt
im Nationalrat nämlich ein Postulat des Genfer CVP-Vertreters Jean-Claude
Vaudroz der Behandlung, das von einer Mehrheit der Ratsmitglieder unterzeichnet
ist. Es will den Bundesrat veranlassen, endlich zur Kenntnis zu nehmen und
auf diplomatischem Weg an die türkischen Behörden weiterzuleiten,
was der Nationalrat im Frühjahr 2001 beschlossen hat: die (zumindest
indirekte) Anerkennung des Völkermords, den der Vorgängerstaat
der Türkei, das Osmanische Reich, 1915 an Hunderttausenden von Armeniern
begangen hatte. [...]
Der Bund | sda / ap | Redaktion: Markus Schütz
| EDA zitiert türkischen Botschafter
Diplomatie - Der türkische Botschafter
in Bern, Metin Örnekol, ist am Dienstag ins Eidg. Departement für
auswärtige Angelegenheiten (EDA) zitiert worden. [...] Die Sprecherin
[der türkischen Botschaft] Sibel Gal erklärte lediglich, dass
der Besuch der Schweizer Aussenministerin nicht «annulliert»,
sondern «aus technischen Gründen verschoben» worden sei.
[...]
Die Gesellschaft Schweiz-Armenien
hat sich zutiefst entsetzt gezeigt über die demokratieverachtende Haltung
der türkischen Regierung. Die oft vorgespielte Bereitschaft der Türkei,
etwas zum Dialog Armenien-Türkei beizutragen, habe sich erneut als Erpressung
entpuppt, heisst es in einer Mitteilung der Gesellschaft Schweiz-Armenien.
Die Türkei zeige nun ihre wirkliche und einzige Absicht, nämlich
auf den Nationalrat einen derart starken Druck auszuüben, dass dieser
das Postulat zur Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern nie traktandiere
respektive ablehne.
Das Leisetreten des Bundesrates aus Rücksicht auf die wirtschaftliche
Interessen habe sich nicht bewährt. Die Überreaktion der türkischen
Regierung zeige auch auf, dass der EU-Beitrittskandidat Türkei bezüglich
des Verständnisses für Menschenrechte und Demokratie noch lange
nicht europäisches Niveau erreicht habe.
Basler Zeitung online | sda / BaZ | Bern |
Schweiz
zitiert türkischen Botschafter
[...] Für die Schweizer Diplomatie
ist die kurzfristige Annullation des Besuches, der am Montag beginnen sollte,
ein «Affront». Dies erklärte der Botschafter in der Türkei,
Kurt Wyss, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Der Schritt sei ein «harter
Schlag» für die bilateralen Beziehungen, er sei übertrieben
und überproportional. [...]
In den Wandelhallen des Parlamentes wurde das
Thema unterschiedlich beurteilt. Der Zürcher SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer
etwa rief zu Zurückhaltung auf. Die Schweiz und die Türkei seien
Länder mit unterschiedlichen Geschichten, die allerdings an einem guten
Verhältnis interessiert seien, sagte er gegenüber Radio DRS.
Ähnlich der Aargauer Nationalrat Ulrich Fischer (FDP): Er möchte
im Moment eher Gras über die Affäre wachsen lassen. Die Berner SP-
Nationalrätin Ruth-Gaby Vermot hingegen will die Affäre nicht auf
sich beruhen lassen.
Sie reiste am Mittwoch nach Strassburg, wo sie das Thema mit einer Europaratsabordnung
der Türkei besprechen wollte. Sie denke auch an eine Protestnote an den
Europarat, sagte sie gegenüber Radio DRS. [...]
Die Gesellschaft Schweiz-Armenien
zeigte sich entsetzt über die Reaktion Ankaras auf den Waadtländer
Entscheid. Die Überreaktion Ankaras zeige auf, dass beim EU-Beitrittskandidaten
Türkei das Verständnis für Menschenrechte und Demokratie noch
lange nicht europäisches Niveau erreicht habe, heisst es im Communiqué.
Bluewin.ch | sda | Türkei fühlt sich von Waadtländer Postulat grundlegend angegriffen
Diplomatische Quellen in der türkischen Hauptstadt sagten der
Nachrichtenagentur sda, Ankara bedaure den in der Schweizer Presse
entstandenen Eindruck, die Türkei habe den Besuch der Bundesrätin
einseitig abgesagt. [...]
Auch für den Schweizer Botschafter in Ankara
ist die Absage der Türkei-Reise von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey durch
die türkische Regierung ein "Affront". Die Beziehungen zwischen Bern und
Ankara seien aber nicht auf dem Nullpunkt, sagte Kurt Wyss.
Neue Zürcher Zeitung online | sda | Türkei relativiert Absage an Calmy-Rey - Schweizer Botschaft spricht von Affront
Die
türkische Regierung versucht, die Wogen zu glätten. Sie habe der
Schweizer Aussenministerin nur eine Verschiebung des Termins vorgeschlagen,
hiess es in Ankara. Der Besuch sei nicht einseitig abgesagt worden. Für
den Schweizer Botschafter ist das Vorgehen der Türkei ein «harter
Schlag» für die bilateralen Beziehungen. [...]
Die Türkei ist offensichtlich verärgert
über einen Entscheid des Waadtländer Grossen Rats: Das Kantonsparlament
hatte am Dienstag vor einer Woche als zweiter Kanton nach Genf den Völkermord
an den Armeniern im Jahr 1915 offiziell anerkannt. Genf hat die selbe Geste
bereits 1998 gemacht.
Im Text des Postulats würden nicht nur unhaltbare Vorwürfe in der
Armenierfrage erhoben, sondern vor allem mit bestimmten Formulierungen zum
Lausanner Vertrag auch die Existenzgrundlagen der Türkischen Republik
in Frage gestellt.
Der Lausanner Vertrag von 1923, mit dem die Souveränität der Türkischen
Republik international anerkannt wurde, gilt der Türkei gewissermassen
als Geburtsurkunde.
Der Völkermord an den Armeniern von 1915, der 1,5 Millionen Opfer forderte,
ist heute aus historischer Sicht nicht mehr bestritten. Zahlreiche Länder
haben ihn bereits anerkannt, darunter Frankreich, Belgien und die USA. Die
Uno machte den Schritt 1985, das europäische Parlament 1987. [...]
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Mardi 30 septembre 2003 - Dienstag 30. September 2003
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Bundesrätin Micheline Calmy-Rey wird Dienstag-Mittwoch
nicht zum geplanten Besuch in die Türkei reisen. Die türkischen
Behörden haben die Schweizer Aussenministerin wieder ausgeladen.
[sda] - Sie sind offensichtlich verärgert über einen
Entscheid des Waadtländer Grossen Rates, wie Radio DRS
berichtete. Das Kantonsparlament hatte am Dienstag vergangener
Woche als zweiter Kanton nach Genf den Völkermord an den
Armeniern im Jahr 1915 offiziell anerkannt. Genf hat die Geste
bereits 1998 gemacht.
Calmy-Rey sagte am Dienstagabend gegenüber Radio DRS und
im Westschweizer Radio RSR, sie halte die Reaktion der türkischen
Behörden für übertrieben. Der Waadtländer
Grosse Rat habe mit der Überweisung eines PdA-Postulats
ein normales demokratisches Verfahren durchgeführt. Die Ausladung
werde die bilateralen Beziehungen "doch ein bisschen
komplizieren".
Die Aussenministerin hatte im Vorfeld des Besuchs, der von
Montag bis Mittwoch dauern sollte, auch angekündigt, dass
sie die Kurdengebiete besuchen wolle.
Sie glaube nicht, dass dies die türkischen Gastgeber irritiert
habe, sagte Calmy-Rey gegenüber Radio DRS. Schliesslich
sei sie nicht die erste Aussenministerin, die die Kurdengebiete
bereist hätte. Zudem sei ihr Programm seit mehreren Wochen
bekannt gewesen.
Der Völkermord an den Armeniern von 1915, der 1,5 Millionen
Opfer forderte, ist heute aus historischer Sicht nicht mehr
bestritten. Zahlreiche Länder haben ihn bereits anerkannt,
darunter Frankreich, Belgien und die USA. Die UNO machte den
Schritt 1985, das europäische Parlament 1987.
In der Schweiz hat der Nationalrat 2001 ein entsprechendes
Postulat nur knapp abgelehnt. Der Bundesrat stellte sich im
Mai 2002 einem zweiten Anlauf negativ gegenüber.
- La
Tribune de Genève "Calmy-Rey indésirable
en Turquie":
Les Turcs sont fâchés! De mémoire
de diplomate, cela faisait même longtemps que la Suisse n’avait dû
affronter pareille rebuffade. [...] La Genevoise a très mal pris cette
annulation. Elle n’a pas caché hier son "déplaisir". "Cette
annulation n’est pas de nature à faciliter les relations avec la Turquie
que nous avons patiemment reconstruites ces dernières années."
Les contacts bilatéraux ont en effet longtemps été très
délicats, empoisonnés entre autres par la mort d’un militant
kurde assassiné à Berne. Un diplomate turc avait tiré
des coups de feu lors d’une manifestation devant son ambassade. Ce n’est qu’en
l’an 2000 que le dialogue a repris entre Berne et Ankara. (BERNE
/ ADRIEN BRON Keystone)
La ministre des Affaires étrangères
a été sèchement priée hier de ne pas se rendre
en Turquie. Motif de la colère turque? La reconnaissance par le Grand
Conseil vaudois, le 23 septembre dernier, du génocide arménien.
La mesure est diplomatiquement inhabituelle, mais elle est surtout parfaitement
stupide. [...] Ce crime monstrueux pèse sur la conscience du pays depuis
lors. Faute de le reconnaître, la Turquie se condamne à n’en
être jamais débarrassée. Comme les Furies de l’Antiquité,
le souvenir du génocide poursuit ce beau pays et empoisonne ses relations
avec l’étranger. En refusant de réévaluer son histoire,
la Turquie maquille son passé. (MARC BRETTON)
- Edicom
"Ambassadeur turc en Suisse convoqué au DFAE":
L'ambassadeur de Turquie en Suisse, Metin Örnekol,
a été convoqué mardi (hier) au Département fédéral
des affaires étrangères (DFAE). Il s'est entretenu avec Blaise
Godet, le chef de la Direction politique du DFAE, sur l'annulation à
la dernière minute par la Turquie de la visite de la conseillère
fédérale Micheline Calmy-Rey à Ankara, a communiqué
mercredi le porte-parole du département Simon Hubacher, qui s'est refusé
d'en dire plus.
En l'absence mercredi de la ministre des affaires étrangères
Micheline Calmy-Rey, la manière dont la Suisse va réagir n'a
toujours pas été déterminée, a poursuivi Simon
Hubacher. [...] (ha/aw | The Associated Press)
- 24
Heures "Calmy privée de Turquie"
- TSR
OnLine (TV
OnLine - RealPlayer) "Voyage en Turquie annulé
pour Calmy-Rey"
- RSR
OnLine (Radio OnLine - RealPlayer) "Forum: interview de Micheline Calmy-Rey"
- Der
Bund "Türkische Regierung lädt Schweizer Aussenministerin Calmy-Rey
aus"
- Neue
Zürcher Zeitung "Calmy-Rey in der Türkei nicht mehr willkommen"
- Tages
Anzeiger "Ankara brüskiert die Schweiz":
Die Türkei hat die Visite von Bundesrätin Calmy-Rey nächste
Woche in Ankara abgesagt, nachdem das Waadtländer Kantonsparlament letzte
Woche den Völkermord an den Armeniern offiziell anerkannt hatte.
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