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Interview mit Aren Emirze von HARMFUL

 
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Sarkis
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 PostPosted: Sat Aug 06, 2005 9:24 am    Post subject: Interview mit Aren Emirze von HARMFUL Reply with quote Back to top

Interview mit Aren Emirze von HARMFUL

06.05. Klangstation, Bonn

Es ist der 6. Mai 2005, Harmful sind auf ihrer Tour zum neuen Album "Sis Masis" in der Bonner Klangstation angelangt. Nach einem ausgiebigen Abendessen machen sich Aren Emirze und ich auf, um backstage über die neue Platte, Harmful an sich, Labelwechsel, Armenien und alte Freundschaften zu unterhalten. Dabei lerne ich einen nachdenklichen, aber auch sehr zuversichtlichen Aren Emirze kennen, aber lest selbst...

triggerfish.de: Euer sechstes Album „Sis Masis“, das seit dem 21. März in den Plattenläden steht, hat bei Fans und Presse viel positiven Anklang gefunden und auch überrascht, denn es scheint, als HARMFUL hätte einen starken Bruch vollzogen. Wie siehst Du das neue Album?

Emirze: Ich finde, es ist ein mutiger Schritt von Harmful. Aber es ist gar kein so großer Schritt ist, was die Melodie angeht, wie einige Leute das behaupten. Wir hatten immer Melodie. Gerade das Album „Wromantic“ (2001, Anm.d.Verf). strotzt nur so vor Melodie. Die Leute brauchen oft nur einen Aufhänger, weil das letzte Album „Sanguine“ (2003, Anm.d.Verf.) nicht so kommerziell war und wieder eher in den Noise-Bereich ging. Nichtsdestotrotz ist „Sis Masis“ eine reife Platte, die sehr schlüssig ist, Härte und Melodie sowie einen Schuss Pop enthält.

triggerfish.de: Ihr habt die Scheibe von Kurt Ebelhäuser von Blackmail/Scumbucket produzieren lassen. Er dürfte Euch bereits aus alten BluNoise-Tagen vertraut sein. Warum ist die Wahl auf ihn gefallen?

Emirze: Wir haben bisher mit sehr vielen Leuten zusammengearbeitet und Kurt war ja auch schon bei den Aufnahmen zu „Wromantic“ dabei. Schon da haben wir gemerkt, dass er etwas dazu beitragen kann, dass wir für die Außenwelt etwas „erträglicher“ oder eingängiger werden können. Für „Sanguine“ hat es dann leider noch nicht geklappt... Zu dieser Platte hat es einfach geklappt!

triggerfish.de: Welchen Einfluss hat das auf Euren Sound bzw. auf das Album genommen?

Emirze: Er hat versucht, alles etwas weniger krachig zu machen und typische Harmful-Klischees wie derbes Gitarrengeschrammel etwas dezenter einzusetzen. Gesanglich hat er geholfen, eine gewisse Einfachheit zu finden und das Optimum aus den Songs herauszuholen.

triggerfish.de: Aber auch BluNoise-Mastermind Guido Lucas hat im wahrsten Sinne des Wortes „mitgemischt“, tauscht Ihr Euch immer aus...

Emirze: Gerade Guido ist immer eine Bezugsperson gewesen, auch bei dieser Platte. Ich habe mich ein, zwei Tage mit ihm zusammengesetzt, ihn nach seiner Meinung gefragt und er hat dann ein paar Songs gemischt. Es tut gut, eine Person zu haben, an die man sich anlehnen kann... Kurt hat aber die meiste Arbeit bei der Scheibe gemacht.

triggerfish.de: Die Songs auf „Sis Masis“, wenn ich beispielsweise an „Art Of Rebellion“ denke, sind eingängiger als auf den Vorgänger-Alben...

Emirze: Ich finde, dass gerade „Wromantic“ schon sehr viel vorbereitet hat. Durch „Sanguine“ gab´s dann wieder einen Bruch, bei dem wir wieder „back to the roots“ gegangen sind. Aber „Sis Masis“ ist die logische Konsequenz von „Wromantic“, wobei...

triggerfish.de: die neue Platte eine Fusion aus beiden ist, vielleicht?

Emirze: Ja, genau. So kann man das sagen.

triggerfish.de: Viele der Songs auf „Sis Masis“ enthalten auch unüberhörbar starke orientalische Einflüsse, die sich zudem im Album-Titel und im Cover-Artwork widerspiegeln. Du selbst bist Armenier...

Emirze: Ja, ich bin Armenier. Ich habe aber natürlich einen deutschen Paß. Früher gab es allerdings noch kein Armenien. Meine Eltern sind in Istambul groß geworden und haben sich dann entschlossen, nach Deutschland zu kommen. Sie waren als Armenier in Istambul einer Unterdrückung ausgesetzt. Daher war für sie klar, dass sie keine türkische Staatsbürgerschaft haben würden, sondern die deutsche. Sie auf dem Papier deutsche Staatsangehörige, aber im Herzen Armenier.


triggerfish.de: Ist das Album eine Art Selbstreflektion oder Suche nach Wurzeln?

Emirze: Ich war dort im August und habe ich realisiert, dass es so viel zu berichten gibt. Ich bin die ganzen Jahre auf der Bühne gewesen und habe verpasst zu sagen: Ich bin Armenier und das und das ist passiert (bezieht sich auf den von Türken verübten Völkermord an Armeniern, Anm.d.Verf.). Ich möchte keinen dazu bringen, auf die Straße zu gehen oder politisch aktiv zu werden, sondern es geht mir darum, dass die Leute das einfach wahrnehmen. Wenn dann andere Armenier zu diesen Leuten kommen und sie ansprechen, werden diese Armenier glücklich sein darüber, dass sie auf Zustimmung stoßen.

triggerfish.de: Eure Alben sind für sich genommen sehr unterschiedlich. Wie würdet Ihr Eure Entwicklung vom ersten selbstbetitelten Album bis zum neuesten Release beschreiben? Wo liegen die Unterschiede? Was sind die Konstanten bei HARMFUL?

Emirze (überlegt): Die Konstante ist auf jeden Fall die Liebe zu Harmful, zur Musik und der ständigen Herausforderung unter der „Dachmarke“ Harmful Platten herauszubringen, die etwas Überdurchschnittliches haben. Wenn Du einen Harmfulsong hörst, dann mußt man das gar nicht beschreiben, denn da ist etwas dahinter, was man einfach fühlt. Da ist eine Band, die sehr intensiv ist und diese Intensität, wenn man die doch sehr unterschiedliche erste und letzte Platte vergleicht, ist stets geblieben. Sie kommt dadurch zustande, dass man die Reibung der drei Charaktere von Harmful spürt, was als roter Faden durch alle Alben geht.

triggerfish.de: Aprospros Entwicklung. Ihr habt auch viele Label- und Vertriebswechsel hinter Euch und seid kürzlich beim Berliner Label Noisolution gelandet. Womit hingen die vielen Wechsel zusammen?

Emirze: Das ist sehr unterschiedlich gewesen. Der Fortgang von Interchord beispielsweise hatte mir der Auflösung des Labels zu tun, so dass wir uns einfach nach etwas Neuem umschauen mußten. Die anderen Wechsel hatte kommerzielle Gründe. Die Musik von Harmful war niemals kommerzielle Musik. Mayors wollen so schnell wie möglich so viel wie möglich Platten verkaufen. Und sie hatten nicht den langen Atem, um uns aufzubauen. Nach einigen Monaten großen Engagements hörte man schnell auf, uns die nötige Unterstützung zu geben. Und wir dachten: Entweder oder!

triggerfish.de: Fühlt Ihr Euch bei beim jetztigen Label Nois-o-lution nun „angekommen“?

Emirze: Wir sind wieder da, wo wir angefangen haben, nur mit viel mehr Erfahrung. Wir haben bei BluNoise gestartet, haben wichtige und unwichtige Sachen mitgenommen. Wir sind nun im Hafen angelangt und die ganze ergibt nun einen Sinn. Die Zusammenarbeit mit Arne macht sehr Spaß und funktioniert stark auf der menschlichen Ebene. Er unterstützt uns sehr. Er ist Musikliebhaber und wir hatten das Gefühl, dass er hinter Harmful steht, so dass die Entscheidung schnell klar war.

triggerfish.de: Wenn ich mir die genannten Entwicklungen von Harmful insgesamt anschaue, gewinnt man schnell den Eindruck von einer Band, die sich stark auf der Suche nach etwas befindet...

Emirze: Früher habe ich in Interviews immer gesagt: Der Weg ist das Ziel. Man sollte die „Macht der Worte“ auch nicht unterschätzen, denn man einen Satz so oft sagt, dann tritt er auch tatsächlich ein. Und wir sind immer noch auf der Suche nach dem Ziel. Das Ziel haben wir vor Augen und wir sind immer noch dabei, es zu erreichen.

triggerfish.de: Was ist das Ziel?

Emirze: Das ist Ziel ist definitiv, Erfolg zu haben. Kreativ für einen selbst, aber auch kommerziell. Es gibt Bands, die viel erfolgreicher waren als Harmful, aber die gibt es nicht mehr. Harmful existiert immer noch, daher hat das alles seinen Sinn (lacht)...

triggerfish.de: Eine Konstante gibt es auf jeden Fall: Seit der Gründung Harmfuls 1992 besteht die gleiche Besetzung. Du, Nico und Chris. Die Zusammenarbeit scheint gut zu funktionieren...

Emirze: Auf jeden Fall. Manchmal wertschätzt man nicht das, was man hat und denkt, es gebe immer Verbesserungsmöglichkeiten. Man reibt sich dann auch stellenweise und fragt sich: Wie wäre es so oder wie wäre es anders? Dann merkt man aber, dass alles seinen Sinn hat und ich kenne keine Band, die durch einen Besetzungswechsel besser geworden wäre... Jeder hat seinen Platz bei Harmful und wir werden als Band immer stärker, gerade weil wir uns auf Tour ständig am Limit bewegen. Wir oft stur, habe aber auch die nötige Offenheit, um Einflüsse von außen, wie beispielsweise Kurt oder andere, in den Harmful-Kosmos hereinzulassen. Ich empfinde das eher als Stärke, nicht als Schwäche. Andere Bands lassen das gar nicht zu...

triggerfish.de: Könnt Ihr allein von Eurer Arbeit als Musiker derzeit leben?

Emirze: Während der Tourzeit geht es, aber sonst müssen wir uns Gelgenheitsjobs suchen.

triggerfish.de: Am 06.05. hier in Bonn seid Ihr etwa im ersten Drittel Euer Deutschland-Tour angelangt, die noch bis etwa Mitte November durch viele Städte geht. Wie ist die Tour bisher für Euch gelaufen? Wie kam die Resonanz auf Euer neues Material bei Euch an?

Emirze: Gut. Die Tour, die CD und die Magazine natürlich sind auch unsere einzigen Medien. Also, ich hab keine Bock mehr, MTV zu schauen. Diese Zeit ist zu Ende. Man entdeckt auch keine Band mehr durch MTV. Daher spielen wir, so oft es geht und es macht ja auch viel Spaß. Auf Tour lernt man viele Menschen kennen. Wir kriegen auch noch Geld dafür und können Musik machen, eigentlich ein Traum. Die Resonanz war gut, besonders das Konzert in Schwerin hat sehr viel Spaß gemacht. Man merkt, dass neue Fans hinzugekommen sind, die Platte verkauft sich auch mehr als die anderen.

triggerfish.de: Was sind Eure Pläne für die nähere Zukunft nach der Tour?

Emirze: Erstmal nicht. Es ist alles sehr schnell gegangen. „Sis Masis“ wurde schnell aufgenommen und wurde schnell herausgebracht. Daher ist die Platte auch noch sehr spannend für uns. Wir wollen erstmal einfach nur spielen, spielen, spielen und was die Zukunft bringt, wird sich dann zeigen.

triggerfish.de: Vielen Dank für das Interview, Aren.
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Sarkis Shahinian
 
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