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Thun, Musical Anatevka (Garegin Hovsepian)

 
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iminhokis
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 PostPosted: Sat Jan 21, 2006 8:34 am    Post subject: Thun, Musical Anatevka (Garegin Hovsepian) Reply with quote Back to top

Die brillante Rückkehr des Stars
Als «Tevje» im Musical «Anatevka» überzeugte er, mit Schuberts «Winterreise» brillierte er: Garegin Hovsepian kehrte am Freitagabend an den Thuner Rathauskonzerten in die Stadt seines Triumphs zurück.

Wenn in Thun ein klassisches Konzert mit einem Programm, das nicht unbedingt Insider, aber doch «Angefressene» anspricht, seit Wochen komplett ausverkauft ist, will das etwas heissen: Wäre Franz Schuberts geniale musikalische Dichtung «Winterreise» von einem der bedeutenden Baritone wie Hermann Prey oder Dietrich Fischer-Dieskau im Thuner Stadtratssaal interpretiert worden, sie hätten den Besucheraufmarsch vom vergangenen Freitagabend kaum zu übertreffen vermocht. Denn mit dem Armenier Garegin Hovsepian kehrte ein Bariton «heim», der die Thunerinnen und Thuner beim Musical «Anatevka» im Sommer 2004 auf der Seebühne für sich gewonnen hatte.

Frei von falschem Pathos

«Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh’ ich wieder aus», beginnt Schuberts Liederzyklus «Winterreise» – und mit leiser, melancholischer Stimme setzte Garegin Hovsepian in das fast zärtliche Klavierspiel Michael Thalmanns ein. Wer kennt Wilhelm Müllers Gedicht «Der Lindenbaum» in der schubertschen Vertonung nicht, das mit den Worten «Am Brunnen vor dem Tore» beginnt? Es ist längst zum Volkslied und sogar zum Filmtitel eines deutschen Heimatfilms der 50er-Jahre geworden; dennoch hörten es die Konzertbesucherinnen und -besucher am Freitagabend anders – frei von jeglichem falschem Pathos und Kitsch, dafür tieftraurig und eindringlich. Hovsepian und Thalmann stellten sich ganz in den Dienst eines berührenden, schmerzvollen Werks und liessen Musik und Worte für sich selber sprechen. Trotzdem blieb Raum für jene fein gesponnene Ironie, die gerade einem Franz Schubert zu Eigen gewesen war: Dramaturgisch leicht überzeichnet, besang der armenische Bariton etwa, wie «ach, zwei Mädchenaugen glühten! Da war’s gescheh’n um dich, Gesell’!».

Wenn Schmerz tröstet

Welche Bedeutung der Liederzyklus «Winterreise» für den österreichischen Komponisten Franz Schubert hatte, brachte Roman Brotbeck, Leiter Fachbereich Musik an der Berner Hochschule für Künste, in einer kurzweiligen Einführung zum Ausdruck: «Stellen Sie sich einen knapp 30-jährigen Mann vor, der an Aids erkrankt ist, der in einem sehr konservativen Land – sagen wir in Texas – lebt, nichts mehr zu verlieren hat und zu alldem auch noch Greenpeace-Aktivist ist. Dann haben Sie in etwa jenes Bild, das Franz Schubert 1827 in Österreich abgab.» Schubert, nach unzähligen erfolglosen Therapien so schwer an der Geschlechtskrankheit Syphilis erkrankt, dass der Tod eher Hoffnung als Schrecknis bildete, setzte mit der Vertonung von 24 Gedichten Wilhelm Müllers seine Biografie musikalisch um. «Ein Schmerz, der in seiner Offenheit die Trauer überwindet und Trost spendet», würdigte Brotbeck Schuberts «Winterreise».

Bis hin zum Schauern

Und wirklich beschreibt allein das elfte Gedicht «Frühlingstraum» mit täuschender Lieblichkeit und berührender Trauer den Lauf des Lebens. Sanft und dennoch deutlich Aufmerksamkeit erheischend, spielte Michael Thalmann im letzten Gedicht «Der Leiermann» als personifizierter Tod das Leierkastenmotiv; tieftraurig und dennoch hoffnungsvoll liess Garegin Hovsepians Bariton den Anwesenden im Rathaussaal einen letzten Schauer über den Rücken rieseln: «Wunderlicher Alter, soll ich mit dir geh’n? Willst zu meinen Liedern deine Leier dreh’n?» Es dauerte eine Weile, bis sich das Publikum von der ergreifenden Stille lösen konnte und in tosenden Applaus ausbrach. Der eine oder die andere mag gehofft haben, dass Garegin Hovsepian als ehemaliger «Tevje» auch die Lebensphilosophie des Musicalgenres als Zugabe darbieten würde. Dass der lyrische Bariton Hovsepian genau darauf verzichtete, macht seine wahre Grösse aus.

Gestern wurde im Rahmen der Rathauskonzerte das vom Thuner Schlagzeuger Michael Wertmüller komponierte Werk «Engel der Zukunft» uraufgeführt. Bericht auf Seite 9.

espace.ch
http://www.espace.ch/artikel_166717.html
Thuner Tagblatt, Heinerika Eggermann [09.01.06]
 
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