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Hommage / Gedenkfeier Talaat Pascha Berlin
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iminhokis
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 PostPosted: Tue Mar 14, 2006 11:55 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

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Berlin
erstellt 14.03.06, 19:13h, aktualisiert 14.03.06, 21:22h

Türkische Demonstration darf stattfinden

«Keine Kränkung der Opfer» - Organisationen für Neubewertung der Massaker an Armeniern



Kinder in Harpoot, Armenien 1915
Opfer der Gewalt: Kinder in Harpoot, Armenien 1915. Weil die Türken die Armenier als gefährliche Gegner auf der Seite Russlands sahen, vertrieben sie 1915/1916 fast 1,8 Millionen Menschen Richtung Syrien und Irak. Bei den Deportationen kamen nach armenischen Angaben 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Die Türkei geht von etwa 200 000 Toten aus, internationale Historiker sprechen von rund 600 000 Toten (Foto: Archiv)

Berlin/dpa. Das von der Berliner Polizei verhängte Verbot von zwei Demonstrationen im Zusammenhang mit dem Massaker an den Armeniern im Jahr 1915 ist am Dienstagabend vom Verwaltungsgericht Berlin vorläufig aufgehoben worden. Das Gericht hat nach eigenen Angaben einem Eilantrag eines Verbandes türkischer Nationalisten gegen das Verbot entsprochen. Die Demonstrationen können auf dieser Grundlage an diesem Mittwoch und am Samstag in Berlin stattfinden. Gegen die Entscheidung ist laut Gericht die Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zulässig.

Die Demonstrationen, bei denen der Völkermord an den Armeniern geleugnet werden sollte, waren am Montag von der Polizei wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit untersagt worden. Die Berliner Polizei begründete das Verbot damit, dass es zu Straftaten wie der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener kommen könnte. Auflagen wären nicht ausreichend gewesen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Die türkischen Organisationen wollten für eine Neubewertung des Massakers an den Armeniern im Osmanischen Reich demonstrieren.

Nach Auffassung der 1. Kammer des Verwaltungsgerichts sei das Verbot nicht gerechtfertigt gewesen. Es bestünden erhebliche Zweifel daran, «dass die beabsichtigten Meinungsäußerungen den objektiven Tatbestand der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener gemäß Paragraph 189 des Strafgesetzbuches erfüllten», hieß es vom Gericht. Dies setze vielmehr eine besonders schwere Kränkung der Opfer voraus.

Nach Auffassung des Gerichts leugnen die Veranstalter die geschehene Massentötung an sich nicht. Das Gericht stellt fest: «Sie wenden sich gegen die Qualifizierung der Tötung von Armeniern im 1. Weltkrieg durch das Osmanische Reich als Völkermord.» Damit werde «noch nicht die Würde der Opfer in strafbarer Weise missachtet». Das Gericht nimmt ausdrücklich Bezug auf die besondere Strafbarkeit der so genannten Auschwitzlüge. Es widerspräche jedoch dem besonderen Gewicht der vom Grundgesetz geschützten Meinungsfreiheit, wenn die Bewertung historischer Vorgänge, die einen Völkermord in Abrede stellen, «generell als Verunglimpfung des Andenkens der Opfer gewertet würden». Das Gericht kommt zu dem Schluss, dies müsse auch dann gelten, «wenn solche Bewertungen von einem hasserfüllten Nationalismus getragen seien».

Mit den Demonstrationen soll auch an den Tod von Talat Pascha vor 85 Jahren in Berlin erinnert werden. Dieser gehörte seinerzeit als türkischer Innenminister zu den Organisatoren der Massaker. Am 15. März 1921 wurde er von einem Armenier am Steinplatz in Berlin- Charlottenburg erschossen.

Die Polizei verwies zur Begründung ihres Verbots auch auf den Bundestagsbeschluss von 2005 mit dem Titel «Erinnerung und Gedenken an die Vertreibungen und Massaker an den Armeniern 1915 - Deutschland muss zur Versöhnung zwischen Türken und Armeniern beitragen». Darin forderte das Parlament die Türkei zum offenen Dialog auf. Die türkische Regierung hatte die Resolution scharf zurückgewiesen.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland hatte bereits vor dem Verbot ihren Ausstieg aus den Demonstrationen mitgeteilt. Sie unterstütze zwar deren Zielsetzung, halte aber die Kundgebungen für den falschen Weg, hieß es.



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''Marsch auf Berlin''
Reaktionäre Türken treffen womöglich am Samstag in der Hauptstadt auf reaktionäre Deutsche


© www.mut-gegen-rechte-gewalt.de - 14.3.2006




Von Ralf Fischer

Mit einem Massenaufmarsch wollen nationalistische türkische Vereine und Einzelpersonen am 18. März 2006 an den Tod des Großwesirs Talat Pascha vor 85 Jahren in Berlin erinnern. Die Berliner Nationaldemokraten haben dagegen eine Demonstration angemeldet. Der Polizeipräsident in Berlin hat bisher nur die Demonstration der türkischen Nationalisten verboten.

Das kommende Wochenende könnte wohl eines der schwierigeren für die Berliner Polizei in diesem Jahr werden. Am Samstag, dem 18. März, will nicht nur die antiimperialistische Politsekte Linksruck gegen einen möglichen Irankrieg durch Kreuzberg und der 'Karneval der Verpeilten' wegen der vermehrten Neonaziübergriffe durch den Friedrichshain demonstrieren, nein, im Westteil der Stadt könnten auch türkische und deutsche Nationalisten aufeinandertreffen.

Anlass für das illustre Stelldichein der Reaktionäre in der City West ist ein Mord im Jahre 1921. Damals wurde Talat Pascha am Charlottenburger Steinplatz von einem Armenier ermordet. Der damalige Innenminister des Osmanischen Reiches, Pascha, gehörte 1915 zu den Organisatoren und Drahtziehern des Völkermordes an der armenischen Bevölkerung und nicht nur Adolf Hitler bewunderte ihn dafür.

Trouble unter ehemaligen Bündnispartnern

Die Liste der aktuellen Pascha-Verehrer, die unter dem Motto ‚Großes Projekt 2006’ antreten, führt der ehemalige Führer der türkischen Zyprioten, Rauf Denktasch, an. Ebenso mit an Bord der türkischen Kreuzzügler ist ein ehemaliger Generalstaatsanwalt, vier Abgeordnete des türkischen Parlaments – davon drei von der regierenden AKP, einschließlich des Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses - sowie der Ex-Maoist Dogu Perincek von der so genannten türkischen Arbeiterpartei.

Im Internet mobilisieren beide Seite mit äußerst radikalen Parolen. Mit dem Schlachtruf ‚Nimm Deine Fahne, komm nach Berlin’ rufen die türkischen Nationalisten ihre Getreuen zum öffentlichkeitswirksamen Großevent nach Berlin. Auf ihrer Website finden sich wüste Drohungen gegen ‚die Europäer’. Sollten diese ihren ‚gewissenlosen’ Völkermord-Vorwurf gegen die Türkei nicht bald unterlassen, dann werden auch ihre Hauptstädte ‚in Flammen stehen wie Paris’, ist dort zu lesen.

Die Berliner Landesverband der NPD kontert dies mit einer Demonstration unter dem Motto: ‚Keine Pariser Zustände in Berlin. Berlin ist eine deutsche Stadt’. In seiner Allmachtsphantasie will der Landesverband der 1% Partei mit der Demonstration ein ‚Ausländerheimführungsgesetz’ durchsetzen um so‚ die Machtübernahme unserer abendländischen Kultur durch den Islam’ zu verhindern. Für dieses Anliegen wollen sie vom S-Bahnhof Westend zum Richard-Wagner-Platz marschieren.

Vorerst verboten

Die Polizei hat den Aufzug der türkischen Nationalisten am 18. März am vergangenen Montag verboten, da sie befürchtet, dass es zu Straftaten, insbesondere der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener kommen wird. Die Leugnung bzw. Rechtfertigung der Ereignisse von 1915 wird - laut Aussagen der Polizei - von den Anmeldern betrieben, und daher sei eine Verbotsverfügung berechtigt.

Gegen dieses Verbot wurden inzwischen beim Verwaltungsgericht Berlin Rechtsmittel eingelegt. Es bleibt also abzuwarten, ob am Samstag die versammelten Reaktionäre vom Orient bis zum Okzident sich im Westteil der Stadt versammeln, oder ob die Neonazis unter sich bleiben...

© www.mut-gegen-rechte-gewalt.de - 14.3.2006


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iminhokis
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 PostPosted: Wed Mar 15, 2006 3:34 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

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Leugner am Rande des Nervenzusammenbruchs

http://www.welt.de/data/2006/03/15/860105.html

Meine Woche: Marsch auf Berlin/ Ignatieff wird König von Kanada / Jagdunfälle und andere Kleinigkeiten - Von Mariam Lau

Berlins Innensenator Erhart Körting (SPD) hat beschlossen, den "Marsch auf Berlin" am 18. März zu Ehren des türkischen Großwesirs Talat Pascha zu verbieten, einem der Hauptakteure des Mordes an den Armeniern. Mit dem Verbot ist er womöglich der Selbstauflösung der ganzen Bewegung zuvorgekommen, von der sich im Verlauf der letzten Wochen ohnehin mehr und mehr Vereine abgeseilt hatten, zuletzt sogar die ursprünglichen Organisatoren des Marsches selbst. Die Idee war, speziell dem Bundestag eine Warnung zukommen zu lassen: Wenn dieser seine Resolution des vergangenen Jahres zum Thema Armenien nicht zurücknehme, könne man für nichts garantieren.

"Ich warne die deutsche Öffentlichkeit", hatte der Maoist-Nationalist Dogu Perincek erklärt, "wenn wir vernichtet werden, werdet auch ihr vernichtet." Nicht mit uns, hatte da der Senat gerufen - seltsamerweise erst, nachdem sich der Türkische Bund zurückgezogen hatte, obwohl dessen Absichten mit denen Perinceks durchaus identisch sind. Ob allerdings ein Verbot schlauer ist als Selbstdemontage durch Lächerlichkeit oder, noch besser, durch innertürkischen Zwist wird sich erweisen. Letztes Jahr soll es etwa zehn Teilnehmer gegeben haben. Der Fall liegt ganz ähnlich wie der des notorischen Holocaust-Leugners Horst Mahler, der im November gern nach Teheran gereist wäre, um im Kreis seiner Lieben nach Herzenslust zu leugnen. Die Behörden in Brandenburg haben aber seinen Paß eingezogen, er darf nicht reisen. An sich sollte doch jeder das Recht haben, sich zum Horst zu machen. Und weil man damit gar nicht früh genug anfangen kann, leuchtet auch die Heraufsetzung der Altersgrenze auf 18 Jahre für den türkischen Film "Tal der Wölfe" nicht ein.

Abends bei der britischen Botschaft. Wieder geht es um Integration, ein Seminar mit Experten und Exponenten aus London und Berlin. Eine sehr patent wirkende Dame aus dem britischen Innenministerium seufzt, man habe nicht mehr so recht den Mumm, den Zuwanderern gegenüber Stolz auf britische Tugenden an den Tag zu legen, dabei sei das doch die einzige Methode, sie zu sich herüberzuziehen. Und hier dachte man, nur die Deutschen sind so verdruckst postnational. Verzweifelt schnappten wir uns den Kanadier: Ihr könnt doch nun wirklich stolz sein! Nein, auch er hatte zu mäkeln. Allerdings berichtete er vom Schicksal des Völkerrechtlers und Autors Michael Ignatieff, der zur allgemeinen Überraschung ja kürzlich auf der Liste der Liberalen Partei kandidiert hatte und sogar gewählt worden ist. Man stelle sich vor, Habermas goes FDP: undenkbar, von beiden Seiten.

Hartnäckig hält sich der Jagdunfall des amerikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney auf den Speiseplänen der Comedy-Klubs. Er hatte beim Schuß in ein Gebüsch den 78jährigen Anwalt Harry Wittington ins Gesicht getroffen. Inzwischen gibt es sogar einen extra "vizepräsidialen Jagdausflug-Mißgeschick-Analysten". Er betont, eine Entschuldigung Cheneys sende in einer Welt "nach 9/11" eine völlig falsche Botschaft der Schwäche. Wittington selbst soll sich inzwischen entschuldigt haben.

Artikel erschienen am Mi, 15. März 2006
 
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iminhokis
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 PostPosted: Wed Mar 15, 2006 3:39 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

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15.03.2006 / Inland / Seite 04 Von Nick Brauns
http://www.jungewelt.de/2006/03-15/049.php

Abfuhr für Genozidleugner
Berliner Polizei verbietet Aufmarsch türkischer Nationalisten, nachdem Türkische Gemeinde nicht mehr als Mitveranstalter auftritt. Mord an einer Million Armeniern bestritten



Von Nick Brauns


Der Berliner Polizeipräsident Dieter Glietsch hat am Montag zwei Aufmärsche türkischer Nationalisten gegen die sogenannten »Lüge vom Genozid an den Armeniern« in der deutschen Hauptstadt verboten. Eine Koalition kemalistischer, nationalistischer und faschistischer Organisationen mit dem Führer der türkischen Zyprioten Rauf Denktasch und dem Vorsitzenden der türkischen Arbeiterpartei Dogu Perincek an der Spitze hatte für Mittwoch eine Kundgebung mit Kranzniederlegung und für Sonnabend eine Großdemonstration mit mehreren zehntausend Teilnehmern angekündigt.

Offizieller Anlaß ist der 85. Jahrestag der Ermordung des jungtürkischen Politikers Talat Pascha durch einen armenischen Studenten am Steinplatz in Berlin-Charlottenburg am 15. März 1921. Talat hatte als osmanischer Innenminister während des Ersten Weltkrieges die Deportation der kleinasiatischen Armenier »ins Nichts« angeordnet und gilt als Hauptverantwortlicher des Genozides an über einer Million Menschen (siehe jW vom 2. März).

Es sei zu befürchten, daß es zu Straftaten wie der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener kommen werde, da die Anmelder die Ereignisse von 1915 leugneten oder sogar rechtfertigten und Talat Pascha verherrlichten, heißt es im Verbotsbescheid. Der Bundestag habe im vergangenen Jahr festgestellt, »daß am 24. April 1915 der Befehl erging, daß die armenische politische und kulturelle Elite Istanbuls verhaftet, ins Landesinnere verschleppt und zum großen Teil ermordet werden soll«. Ausschlaggebend für das Verbot sei ein Wechsel des Anmelders gewesen, erklärte ein Polizeisprecher. Nicht mehr die Türkische Gemeinde Berlin, sondern der »Bundesverband der Vereine zur Förderung der Ideen Atatürks« tritt nun als Hauptveranstalter auf.

Die Türkische Gemeinde Berlin, der Türkisch-Deutsche Unternehmerverband und die Unterstützer der türkischen Sozialdemokraten hatten sich in den letzten Tagen aus dem Organisationskomitee zurückgezogen, nachdem aus dem Umfeld der Arbeiterpartei ein Aufruf mit unverhohlenen Drohungen an die europäischen Staaten veröffentlicht worden war. Geblieben sind der Atatürk-Fan-Verein und die Arbeiterpartei. Letztere bezeichnet sich zwar als maoistisch, steht aber vor allem der türkischen Armee nahe und verbreitet einen skurrilen Ideologiemix aus Verschwörungstheorien und Chauvinismus.

Die Demoanmelder haben am Dienstag beim Berliner Verwaltungsgericht eine einstweilige Anordnung gegen das Verbot beantragt.
 
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 PostPosted: Wed Mar 15, 2006 3:40 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

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Berlin, (15.03.2006, 14:36 Uhr)
http://www.tagesspiegel.de/berlin/nachrichten/62683.asp
Wenige türkische Nationalisten demonstrieren
Nur wenige Menschen haben an einer Kundgebung türkischer Nationalisten in Berlin teilgenommen. Sie protestierten dagegen, dass die Massaker an Armeniern während des Ersten Weltkriegs als Völkermord bezeichnet werden. (15.03.2006, 14:36 Uhr)


Berlin - Nach Angaben der Polizei versammelten sich in Charlottenburg 40 Demonstranten und ebenso viele Gegendemonstranten. Die Kundgebung der Nationalisten fand zum Gedenken des vor 85 Jahren ermordeten osmanischen Innenministers Talat Pascha statt.

Pascha gilt als einer der Hauptverantwortlichen für die Tötung und Vertreibung von christlichen Armeniern im osmanischen Reich im Jahr 1915. Er wurde am 15. März 1921 von einem armenischen Studenten in Berlin erschossen. Historiker werten die Massentötung der christlichen Armenier während des Ersten Weltkrieges als Völkermord. Schätzungen zufolge wurden damals zwischen 600.000 und 1,5 Millionen armenische Zivilisten getötet. Die Türkei weist den Vorwurf des Völkermords strikt zurück.

Ursprünglich waren die Demonstration und eine weitere Kundgebung der Talat-Pascha-Bewegung für den 18. März verboten worden. Das Berliner Vewaltungsgericht hatte die Verbote aber wieder aufgehoben. Über die Demonstration am 18. März wird das Oberverwaltungsgericht Berlin spätestens am 17. März entscheiden. Die Organisatoren der Demonstrationen fordern unter anderem die Rücknahme einer Bundestags-Resolution vom vergangenen Jahr. Der Bundestag hatte damals parteiübergreifend die Türkei zum offenen Dialog über die Massaker an den Armeniern aufgefordert.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland und zu Berlin sowie mehrere liberale türkische Verbände distanzierten sich von den Kundgebungen. Kurdische Organisationen in Deutschland verlangten ein Demonstrationsverbot. In der Berliner Universität der Künste ist für den 18. März eine Gegenveranstaltung geplant, die unter anderen von der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste unterstützt wird.

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth kritisierte, die Talat-Pascha-Bewegung rufe "in einer inakzeptablen martialischen Sprache zu Protestaktionen" auf. Ihr Ziel sei eine Revidierung der Beschlüsse der Parlamente in einigen EU-Ländern über das Massaker an der armenischen Bevölkerung im Osmanischen Reich. "Das Sammelsurium von ultranationalistischen, antieuropäischen und rechtsextremistischen Kräften hinter der Fassade der Talat-Pascha-Bewegung" habe klare Ziele: die EU-Annäherung der Türkei ebenso die Integration der in Europa lebenden Türken zu verhindern und die türkische Geschichte zu verleugnen, rügte Roth. (tso/mhz/ddp)
 
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 PostPosted: Wed Mar 15, 2006 5:21 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

Paar Photos von der Mahnwache in Berlin, heute 15.03.06 von der AGA Gruppe.

>>>>>> Gallery's Mahnwache [click here]
 
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 PostPosted: Thu Mar 16, 2006 3:19 am    Post subject: Reply with quote Back to top

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http://www.taz.de/pt/2006/03/16/a0204.1/text
taz Berlin lokal vom 16.3.2006, S. 17, 111 Z. (TAZ-Bericht), Sophie Diesselhorst / Alke Wierth


Nationalisten dürfen Völkermord leugnen
Das Verwaltungsgericht hebt das Verbot der Talat-Pascha-Demo auf. Begründung: Einen Genozid zu leugnen beleidige nicht unbedingt dessen Opfer. Nach einer gestrigen Kranzniederlegung darf auch der Protest am Samstag stattfinden

Mit Blumensträußen, passend zur türkischen Fahne in Rot und Weiß, versammelten sich gestern rund 40 Personen auf dem Steinplatz. Sie gedachten am dortigen Gedenkstein der Opfer des Nationalsozialismus, allerdings des osmanischen Politikers Talat Pascha, der als einer der für den Völkermord an den Armeniern 1915/16 Hauptverantwortlichen gilt. Talat Pascha wurde 1921 im Berliner Exil an dieser Stelle von einem Armenier erschossen.

Dass die türkischen Nationalisten hier doch noch ihre Gedenkveranstaltung abhalten durften, verdanken sie einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts. Das hob am Dienstagabend das polizeiliche Verbot dieser und einer weiteren für Samstag geplanten Demonstration auf. Eine "Verunglimpfung" der 1915 getöteten armenischen Bevölkerung der Türkei durch die Veranstalter sei nicht eindeutig feststellbar, so das Gericht. Überdies stelle sich die Frage, ob "jedes Leugnen eines jeden Völkermords rechtlich zugleich als Beleidigung und Verunglimpfung der Opfer" zu sehen sei.

Die Organisatoren der Talat-Pascha-Demo werden sich über diese Sicht der Dinge freuen. Mit ihren Veranstaltungen protestieren sie gegen einen Bundestagsbeschluss vom Juni 2005, in dem die Bundesrepublik zum ersten Mal die an Armeniern verübten Massaker als Völkermord einstufte. Schätzungsweise eine Million Menschen kam damals ums Leben.

Anders als dieser Bundestagsbeschluss werde ihre Demonstration einen "signifikanten historischen Beitrag zur deutsch-türkischen Freundschaft" leisten, versprechen die Veranstalter in einem Pressetext. Zugleich sprachen sie von "europäischen Hauptstädten, die brennen wie Paris", und der Mobilisierung von 5 Millionen in Europa lebenden Türken für die Demo am Samstag.

Das passte nicht allen ursprünglichen Mitorganisatoren des Protests. Der Rückzug des ursprünglichen Anmelders Tacettin Yatkin von der Türkischen Gemeinde Berlin und die Distanzierung vieler Organisationen Berliner Türken waren schließlich der Grund, warum die Polizei die Demo verbot. Denn die verbliebenen Organisatoren benutzen das Wort "Völkermord" ausschließlich in Kombination mit dem Wort "Lüge": Türken würden als Täter "diffamiert", die "Genozid-Lüge" werde in deutschen Schulbüchern verbreitet und durch europäische Parlamente untermauert.

"Wir gedenken heute unseres Freiheitskämpfers Talat Pascha" - so sah es gestern denn auch Ali Mercan vom Organisationskomitee der Demo. "Wir waren damals im Krieg. Es sind schlimme Sachen passiert. Das tut uns leid. Aber es war notwendig für die Unabhängigkeit der Türkei", sagte er. "Das sind Rassisten, Faschisten, Ultranationalisten", regt sich Giyasettin Sayan auf. Der kurdischstämmige Berliner PDS-Abgeordnete gehört zu den 40 Gegendemonstranten, die ebenfalls zum Steinplatz gekommen waren. "Keine Ehrung türkischer Völkermörder in Deutschland" stand auf ihren Plakaten. Mit einer Gegenveranstaltung wollen sie am Samstag über die "Schwierigkeiten des Erinnerns" an den Völkermord an den Armeniern aufklären. Ob dessen Leugner tatsächlich protestieren dürfen, hängt nun vom Oberwaltungsgericht ab: Die Polizei hat gegen die Aufhebung des Demoverbots Beschwerde eingelegt.

Sophie Diesselhorst
Alke Wierth

taz Berlin lokal vom 16.3.2006, S. 17, 111 Z. (TAZ-Bericht), Sophie Diesselhorst / Alke Wierth
 
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 PostPosted: Fri Mar 17, 2006 1:22 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

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WDR 3, "Resonanzen", 19:00 bis 19:45 Uhr

17.03.2006 12:13

In der Kultursendung "Resonanzen" wird heute abend ab 19:00 Uhr über den Völkermord an den Armeniern und die Aktivitäten türkischer Nationalisten in Berlin informiert, unter anderem durch ein Live-Interview mit der AGA-Vorsitzenden Dr. Tessa Hofmann.

Sendebereich:

Internet:
http://www.wdr.de/wdrlive/radio.phtml?channel=wdr3


Frequenzen:
http://www.wdr.de/radio/wdr3/frequenzen.phtml
 
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Sarkis
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 PostPosted: Fri Mar 17, 2006 2:36 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

15 nationalisten nahmen an der ehrung von talat pasha teil


die nationalisten, die vorhatten, in berlin den talat pascha ehren, haben eine grosse niederlage einbuessen muessen. die armenier hatten noch rechtzeitig den einsatzort fuer sich in anspruch genommen.

die tuerkischen teilnehmer hatten gezwungenermassen sich einen anderen platz aussuchen muessen. spaeter fing ein heftiger streit zwischen den arbeiterparteilern und den anhaengern der "vereinigung des atatuerkistischen denkens" ueber die missorganisation, planlosigkeit der bewegung und die geringe teilnehmerzahl am demo.

die von nationalisten in berlin unter dem namen "grosses projekt 2006 - talat pascha bewegung" organisierte aktion endete in einem grossen fiasko. die aktion wurde am anfang noch von vielen privaten gesellschaftlichen organisationen sowohl in deutschland, als auch in der tuerkei unterstuetzt. doch als immer klarer wurde, dass dogu perincek die ganze aktion als mittel fuer sein comeback missbrauchen will, zogen jene organisationen ihre unterstuetzung nacheinander protestierend zurueck.

die nationalisten hatten geplant den innenminister der ittihad und terakki-partei talat pascha zu ehren, der vom armenischen komitatisten soghomon tehlerian am steinplatz im bezirk charlottenburg in berlin ermordet wurde. die armenier und die assyrer haben jedoch noch vorzeitig den platz fuer sich in anspruch genommen und hatten transparente entfaltet und mit ihrer aktion gegen die aktion der talat pascha bewegung protestiert.

die armenische gruppe, die britische und griechische fahnen trugen, hatten transparente geoeffnet, worauf zu lesen war: "armenier und assyrer sind einstimmig gegen den tuerkischen voelkermord".

spaeter kam eine gruppe nationalisten zu den journalisten und beschwerten sich ueber die besetzung ihres aktionsorts von den armeniern und baten sie, an deren 30 meter entfernt stattfindender presseerklaerung teilzunehmen. ca. 15 nationalisten mit ihren zwei tuerkischen fahnen positionierten sich schraeg hinter der armenischen gruppe am anderen ende des platzes. zuerst hielten sie eine schweigeminute fuer talat pascha. dann sprach der vize-praesident der arbeiterpartei und koordinator der talat pascha bewegung Mehmet Bedri Gültekin im namen der teilnehmer, wo er bemueht war, vergleiche zu ziehen und verbindungen zwischen talat pascha, den jungtuerken und dem sozialismus zu finden und miteinander zu verknuepfen.

Erkan Acar, Yusuf Bal; Berlin

quelle: http://www.zaman.com.tr/?bl=haberler&alt=&trh=20060316&hn=266286
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Sarkis Shahinian
 
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 PostPosted: Fri Mar 17, 2006 3:46 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

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http://www.berlin.de/SenJust/Gerichte/OVG/presse/archiv/26211/index.html


Demonstration türkischer Vereine unter Auflagen - 10/2006
Berlin, den 17.03.2006


Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin im Wesentlichen bestätigt, mit der das Verbot einer Demonstration türkischer Vereine unter dem Motto „Protest gegen die Stigmatisierung des türkischen Volkes und Geschichtsverfälschung der Ereignisse im Jahre 1915 zwischen Armeniern und Muslimen im Osmanischen Reich“ aufgehoben worden war.

Das Oberverwaltungsgericht hat die Versammlung allerdings nur mit der einschränkenden Auflage gestattet, dass in dem Aufzug am 18. März 2006 weder auf Transparenten noch in Reden oder anderen Wort- oder Schriftbeiträgen ein Genozid an den Armeniern als Lüge bezeichnet werden darf. Denn im Gegensatz zum Verwaltungsgericht hat der 1. Senat die Behauptung, ein Genozid an der armenischen Bevölkerung im Jahre 1915 sei eine „Lüge“, für strafbar gehalten, weil damit der objektive Tatbestand des § 189 StGB (Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener) erfüllt sei. Diesem Verstoß gegen die öffentliche Sicherheit hätte die Versammlungsbehörde unter Beachtung des Gewichts, das dem Grundrecht der Versammlungsfreiheit zukommt, statt mit einem Verbot der Versammlung mit dem weniger einschneidenden Mittel einer Auflage begegnen können und müssen.

Beschluss vom 17. März 2006 - OVG 1 S 26.06 -


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 PostPosted: Fri Mar 17, 2006 3:47 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

Letzte News:
Demonstration kann stattfinden,
darf aber keinesfalls den Völkermord an den Armeniern leugnen!


AGA-Meldung mit Kommentar

Berlin, 18. März 2006: Die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Berlin vom 17. März 2006 beschert den nationalistischen Fans des Talat Pascha keine Freude: Sie dürfen am 18. März demonstrieren, aber mit der Auflage, nicht den Völkermord an den Armeniern zu leugnen! Das dürfte einer Quadratur des Kreises gleichkommen, und wir warten mit Spannung ab, wie die Pascha-Verehrer diese Aufgabe lösen wollen.

Die Arbeitsgruppe Anerkennung begrüßt die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Berlin, weil sie eine deutliche Anerkennung von Genozidleugnung als Straftatbestand enthält.
_________________
Sarkis Shahinian


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 PostPosted: Sat Mar 18, 2006 6:08 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

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18. März 2006
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,406758,00.html
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ARMENIER-GENOZID

Türkische Nationalisten demonstrieren gegen Völkermord-Vorwurf

In Berlin haben sich heute etwa 1700 Türken auf einer Demonstration gegen den Vorwurf verwahrt, das Osmanische Reich habe einen Völkermord an Armeniern begangen. Der Marsch durfte nur unter Auflagen stattfinden.





Berlin - In der deutschen Hauptstadt haben heute nach Polizeiangaben rund 1.700 türkische Nationalisten gegen den Vorwurf des Völkermordes an den Armeniern demonstriert.

Die Demonstration sei weitgehend friedlich verlaufen, sagte ein Polizeisprecher. Am Freitag hatte das Berliner Oberverwaltungsgericht die ursprünglich von der Polizei verbotene Demonstration unter strengen Auflagen zugelassen.

So durfte weder auf Transparenten noch in Reden die Völkermord-Vorwürfe als Lüge bezeichnet werden. Der Polizeisprecher sagte, die meisten Demonstrationsteilnehmer hätten sich an die Auflagen gehalten. Am Mittwoch gab es in Berlin bereits eine ähnliche Demonstration.

Türkische Nationalisten am Berliner Bahnhof Zoologischer Garten: Rund 1700 Teilnehmer

DDP
Türkische Nationalisten am Berliner Bahnhof Zoologischer Garten: Rund 1700 Teilnehmer

Die Demonstranten kritisierten eine Resolution des Bundestages und forderten deren Rücknahme. Der Bundestag hatte am 16. Juni 2005 mit den Stimmen aller Fraktionen eine Entschließung zum Gedenken an die türkischen Massaker an den Armeniern verabschiedet. In der Resolution selbst ist nicht von "Völkermord" die Rede, wohl aber in der Antragsbegründung. Die türkische Regierung hatte den Beschluss scharf kritisiert.

Der Bund der Vertriebenen (BdV) kritisierte die Demonstration. "Mit der Erfahrung des eigenen Leides können wir mitempfinden, was es für die Opfer bedeuten muss, wenn dem eigenen Schicksal keine Empathie und keine Wahrhaftigkeit entgegengebracht wird", hieß es in einer Mitteilung des BdV.

1915/1916 wurden im untergehenden osmanischen Reich tausende Armenier massakriert. Armenien wirft den Türken vor, 1,5 Millionen Armenier bei Vertreibungen gezielt ermordet zu haben und fordert die Anerkennung als Völkermord. Die Türkei hat bisher lediglich eingeräumt, dass damals mindestens 300.000 Armenier ermordet wurden. Den Vorwurf des Völkermords weisen die Türken aber strikt zurück.

ccm/afp
 
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18.03.2006 - 13:25 Uhr, CDU/CSU - Bundestagsfraktion Pressemappe
[Pressemappe]


http://www.presseportal.de/story.htx?nr=799678
Fromme: Demonstrationen türkischer Nationalisten beleidigen Opfer des Völkermords an den Armeniern


Berlin (ots) - Zu den Demonstrationen türkischer Gruppen gegen ein
Gedenken an die Vertreibung und Ermordung der Armenier und zu Ehren
von Talaat Pascha erklärt der Vorsitzende der Gruppe der
"Vertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler" der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jochen-Konrad Fromme, MdB:

Wenn heute in Berlin Hunderte türkischer Nationalisten dagegen
demonstrieren, dass der Deutsche Bundestag wie auch viele andere
Parlamente, an die Vertreibung und Ermordung der Armenier und anderer
christlichen Gruppen in der Türkei vor 90 Jahren erinnert haben und
sich gegen eine Aufarbeitung einsetzen, wirft das ein schlechtes
Licht auf das Rechtsverständnis dieser Organisationen.

Wenn dann noch nahezu zeitgleich an der Universität in Istanbul
eine Konferenz stattfindet, die von den Kräften ausgerichtet wird,
die das Massaker an den Armeniern in den Jahren 1915/16 in Abrede
stellen, dann wirft das zudem ein schlechtes Licht auf die
Bereitschaft der Türkei, sich mit der eigenen Geschichte
auseinanderzusetzen.

Die Bereitschaft, die eigene Geschichte in Gänze, mit allen Höhen
und Tiefen, in den Blick zu nehmen, ist aber eine vorzügliche
Visitenkarte von Staaten mit einer rechtsstaatlichen Ordnung,
basierend auf einem Wertegerüst, das die Universalität der
Menschenrechte anerkennt.

Hier hat die Türkei noch einen langen Weg vor sich. Wenn türkische
Nationalisten stattdessen zur Ehrung von Talaat Pascha aufrufen, der
einer der Hauptverantwortlichen für den Genozid an den Armeniern
gewesen ist, dann stellt dies zudem eine Verunglimpfung der geschätzt
1,5 Millionen Opfer dieser Taten dar.

Der Deutsche Bundestag hat im vergangenen Jahr anläss-lich des 90.
Jahrestages der Vertreibungen und der Massaker an den Armeniern
dieser Ereignisse gedacht und die Aufarbeitung dieses historischen
Kapitels gefordert.

Die Demonstrationen von nationalistischen türkischen Gruppen
zeigen einerseits, wie wichtig die Aufarbeitung dieses Kapitels ist
und andererseits, wie lang der Weg bis zu einer ehrlichen
Auseinandersetzung mit diesem Thema vermutlich noch sein wird.

Dabei geht es bei einer Aufarbeitung des Völkermords an den
Armeniern ausdrücklich nicht um eine Abrechnung mit oder um eine
Bloßstellung der türkischen Nation. Es geht um ein Bewusstmachen der
Geschichte, darum, die bis heute ausstehende dringend notwendige
Aussöhnung zwi-schen der Türkei und ihren Nachbarn zu ermöglichen und
einen Beitrag dazu zu leisten, Vertreibungen und Völkermord in
Gegenwart und Zukunft zu verhindern.



CDU/CSU - Bundestagsfraktion
Pressestelle
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Samstag, 18. März 2006
Demo in Berlin
http://www.n-tv.de/645986.html

Türken leugnen Völkermord

In Berlin haben mehr als 2.000 türkische Nationalisten dagegen demonstriert, dass der Völkermord an den Armeniern ein Völkermord war. Die Veranstalter bestreiten, dass es zwischen 1915 und 1923 im Osmanischen Reich einen Völkermord an den Armeniern gab.

Sie verlangen unter anderem die Rücknahme einer Bundestags-Resolution vom vergangenen Jahr. Das Parlament hatte damals die Türkei einstimmig zum offenen Dialog über die Massaker an den Armeniern aufgefordert. Die Resolution führte seinerzeit zu Verstimmungen zwischen Deutschland und der Türkei.

Bei den Massakern an den Armeniern waren nach unabhängiger Schätzung zwischen einer und 1,5 Millionen Menschen ums Leben gekommen.

Erst am Freitag hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg die ursprünglich von der Polizei verbotene Demonstration unter strengen Auflagen zugelassen. So durfe weder auf Transparenten noch in Ansprachen der Genozid an den Armeniern als Lüge bezeichnet werden. Polizeibeamte ließen sich Plakate und Transparente zeigen.

Auch die Türkei bestreitet, dass es einen Völkermord an den Armeniern gab. Sie räumt lediglich ein, dass tausende Armenier von Soldaten des Osmanischen Reiches getötet wurden. Dabei macht sie geltend, dass Armenier und ihre russischen Verbündeten auch Massaker an Türken und Kurden verübt hätten.

Immer wieder kommt es in der Türkei zu Prozessen gegen Personen, die die offizielle Darstellung der türkischen Regierung bestreiten. Internationales Aufsehen erregte ein Verfahren gegen den Schriftsteller Orhan Pamuk, das im Januar schließlich eingestellt wurde. Pamuk war wegen angeblicher "Herabwürdigung des Türkentums" angeklagt. Er hatte in einem Interview die von der Türkei bestrittenen Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg thematisiert und dabei von "einer Million ermordeter Armenier" gesprochen. Ein ähnliches Verfahren läuft derzeit gegen fünf Journalisten.
 
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 PostPosted: Sat Mar 18, 2006 6:27 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

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taz vom 18.3.2006, S. 6, 98 Z. (TAZ-Bericht), CIGDEM AKYOL


Pleite für Demo zu Armenier-Völkermord
Vor einem Protestmarsch gegen die Verurteilung des Völkermords an Armeniern seilen sich immer mehr Türken ab


BERLIN taz "Nimm deine Fahne, komm nach Berlin" - mit diesem Schlachtruf fordert die türkische Bewegung "Großes Projekt 2006 - Die Lüge zum Völkermord an Armeniern" dazu auf, Schluss zu machen mit der "armenischen Genozid-Lüge" und "die Periode der Demut" zu beenden. Doch nun nehmen immer mehr Organisatoren Abstand zu der Veranstaltung.

1915/1916 ermordeten türkische Soldaten bis zu eine Millionen Armenier. Bis heute erkennt die Türkei die Tat nicht als Völkermord an. "Großes Projekt 2006" will am Samstag gegen die internationale Verurteilung des Massakers protestieren und zugleich an den Tod Talat Paschas vor 85 Jahren erinnern. Er gehörte als türkischer Innenminister zu den Organisatoren des Massakers und wurde 1921 von einem Armenier in Berlin erschossen.

Die Türkische Gemeinde zu Berlin, die die Demonstration ursprünglich beantragt hatte, distanzierte sich jetzt von der Veranstaltung. Obwohl Celal Altun, Generalsekretär der Gemeinde, viele Ansichten der Organisatoren teilt. "Der Vorwurf des Völkermordes wird von der armenischen Diaspora in die Welt gesetzt, um Propaganda gegen die Türkei zu machen", sagt Altun. Der angebliche Genozid sei bis heute nicht bewiesen. "Wir wollen keine ideologische Diskussion, sondern eine sachliche Auseinandersetzung."

Zu den Organisatoren gehört neben dem "Verband der Vereine zur Förderung der Ideen Atatürks" auch die nationalistische türkische Arbeiterpartei. Deren Vorsitzender drohte den Europäern, sie sollten aufhören, die Türkei des Genozids zu bezichtigen, "wenn sie nicht wollen, dass ihre Städte in Flammen stehen".

Wegen dieser Hetze seilten sich nach und nach weitere Vereine ab. Mahmut Askar von der Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa (Atib), wird ebenfalls nicht mitmarschieren. "Wir befürchten, dass die Veranstaltung instrumentalisiert wird", sagt er. Denn die türkischen Nationalisten fordern, dass die Türkei nicht mehr des Völkermords an den Armeniern bezichtigt wird.

Der Atib sind eigenen Angaben zufolge über 120 Vereine angeschlossen. Der Dachverband ist wegen seines türkischen Nationalismus bekannt, daher ist es umso verwunderlicher, dass er sich von der Demonstration lossagt. "Wir wissen, dass es damals zu menschlichen Verlusten kam", sagt Askar. "Aber auch auf türkischer Seite gab es Tote."

Die Forderung nach der Rücknahme einer Bundestags-Resolution unterstützt Askar. Im letzten Jahr hatte der Bundestag die Türkei zum offenen Dialog über die Massaker an den Armeniern aufgefordert.

Dem von der Berliner Polizei geforderten Verbot der Demonstration gab gestern das Oberverwaltungsgericht Berlin nicht statt. Allerdings dürfen die Nationalisten nur mit Einschränkungen demonstrieren: Weder auf Transparenten oder anderen Wort- oder Schriftbeiträgen dürfen sie den Völkermord an den Armeniern eine Lüge nennen.

CIGDEM AKYOL

taz vom 18.3.2006, S. 6, 98 Z. (TAZ-Bericht), CIGDEM AKYOL
 
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 PostPosted: Sat Mar 18, 2006 6:29 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

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von Marcella Pannaccio, 18.03.2006
http://www.zdf.de/ZDFheute/inhalt/25/0,3672,3913657,00.html

Eine Heimat auf blutigem Boden

Der Armenier Cerkezyan erzählt von einem Verbrechen, das es offiziell nie gab



Im Gesicht von Sarkis Cerkezyan haben neun Jahrzehnte ihre Spuren hinterlassen. Um die lebhaften Augen unzählige kleine Falten. Tiefe Furchen auf der Stirn. Sarkis Cerkezyan ist Handwerker, Holzschnitzer. Und er ist einer der Armenier, die die Türkei noch immer ihre Heimat nennen. Seine Familie hat die Zeit der blutigen Vertreibung und Zwangsumsiedlung aus Ostanatolien vor mehr als 90 Jahren erlebt. Er hat überlebt.




Und was in seiner Erinnerung geblieben ist erzählt er, immer wieder. Er erzählt gegen das Vergessen. Der kleine alte Mann zieht noch einmal an seiner Zigarette, bläst den Rauch langsam in den Raum und beginnt zu sprechen.

Demonstration in Berlin
In der Berliner Innenstadt demonstrierten am Samstag mehr als 2000 türkische Nationalisten. Sie bestreiten, dass es 1915 im Osmanischen Reich einen Völkermord an den Armeniern gab. Die Debatte hierüber spaltet das türkische Volk seit Jahrzehnten.

Armenien wirft dem Osmanischen Reich als Vorläufer der Türkei vor, 1,5 Millionen Armenier bei Vertreibungen gezielt ermordet zu haben und fordert die Anerkennung als Völkermord. Ankara hat bisher lediglich eingeräumt, dass damals mindestens 300.000 Armenier ermordet wurden. Den Vorwurf des Völkermords weist die türkische Seite entschieden zurück.


In einem Kamelstall habe seine Mutter ihn zur Welt gebracht, in Syrien. Da habe die Familie Haus und Hof in Anatolien schon lange verlassen müssen. Seinem Vater, einst ein reicher Mann, sei nur die Arbeit als Träger geblieben, am nahen Salzsee der Ortschaft. Auch seine Mutter, eine Lehrerin, sei aus gutem Hause gewesen. Sie habe Fremdsprachen beherrscht und das Klavierspiel. 18 Jahre sei sie alt gewesen bei ihrer Hochzeit im Jahr 1911.


Demonstration türkischer Nationalisten in Berlin
Bildquelle ap
Demo türkischer Nationalisten in Berlin

Zitat
Herr Soldat, wir haben gegen Morgen ein Kind bekommen. Lassen sie doch bitte das Kleine und die Mutter noch zwei Stunden ausruhen, danach können wir weiter ziehen.
Der wütende Soldat

Als wollte er eine plötzliche Müdigkeit wegwischen fährt sich Sarkis Cerkezyan mit der Hand über die Augen. Dann erzählt er weiter. Vor ihm habe seine Mutter ein Mädchen geboren. Das sei an einem frühen Morgen gewesen, noch während der Umsiedelung. Ein Gendarm sei gekommen, habe befohlen die Zelte abzubrechen und sich wieder auf den Weg zu machen. Der Vater habe daraufhin gebeten: "Herr Soldat, wir haben gegen Morgen ein Kind bekommen. Lassen sie doch bitte das Kleine und die Mutter noch zwei Stunden ausruhen, danach können wir weiter ziehen." Daraufhin sei der Soldat wütend geworden, habe den Vater angeschrieen und beschimpft und mit der Peitsche auf ihn eingeschlagen. Der junge Familienvater beugte sich schließlich, das Neugeborene überlebte die Strapazen nicht. Die Todesmärsche vor 91 Jahren haben mindestens 1 Million Menschen das Leben gekostet.


Wenn, wie am Samstag in Berlin türkische Nationalisten auf die Straße gehen, um gegen den Vorwurf eines Völkermordes und für die Richtigstellung der historischen Ereignisse zu protestieren, bezichtigen sie auch Menschen wie Sarkis Cerkezyan der Geschichtsverfälschung.

"Politik der Leugnung"

Mihran Dabag ist Leiter des Instituts für Diaspora- und Genozidforschung an der Ruhr-Universität Bochum und ebenfalls Nachfahre von Überlebenden. Er sieht in der vorübergehend verbotenen und in letzter Minute doch vom Berliner Verwaltungsgericht wieder zugelassenen Demonstration "ein bedauerliches und unentschuldbares Zugeständnis an die Politik der Leugnung". Man erhebe sie in den Status einer geschützten und somit gerechtfertigten Position in einem "scheinbaren Streit konkurrierender, und dadurch sogar gleichwertiger Meinungen". Für Dabag "eine unerträgliche und auch widersinnige Aufwertung" der öffentlichen Leugnung eines Völkermords.


Dieser Tatsache und der "öffentlichen Verhöhnung der Opfer" fordert er deshalb, entschieden entgegen zu treten. Darauf habe man sich in Europa nach der Erfahrung des Holocaust verpflichtet und dazu müsse man auch stehen.

Türkei fühlt sich verletzt

Als der Deutsche Bundestag im vergangenen Juni eine Resolution zum Gedenken an die Vertreibung und Massaker an den Armeniern beschloss, hagelte es umgehend Protest von türkischer Seite und aus den höchsten Ebenen. Nachdem bereits das Europa-Parlament Ende der 80er Jahre und später die Regierungen mehrer Westeuropäischer Staaten die Ereignisse am Rande des Ersten Weltkrieges als Völkermord gebrandmarkt hatte, forderte nun auch der Bundestag die Türkei zum offenen Dialog über die Ereignisse 1915/16 auf. Aus türkischer Sicht ein Versuch die Nation zu schwächen und eine tiefe Verletzung der türkischen Bevölkerung.


Zitat

Die Armenier erscheinen in dieser Argumentation als Aggressoren gegen die sich die jungtürkische Regierung des Osmanischen Reichs zu verteidigen hatte.
Mihran Dabag

Obwohl der Völkermord an den Armeniern heute als historisch erwiesen gilt, lernen türkische Schüler noch immer einzig und allein die offizielle Darstellung der Ereignisse. Demnach hatten die Armenier im 1. Weltkrieg mit den Russen kollaboriert. Gegen das Osmanische Reich, das an der Seite Österreichs und Deutschlands kämpfte. Für Genozidforscher Mihran Dabag eine hocheffiziente These, denn sie suggeriere, die "Deportationen seien eine Art Notwehrmaßnahme" gewesen. Dabei würde stillschweigend - dabei durchaus beabsichtigt - die Position der Opfer und Täter ausgetauscht: "Die Armenier erscheinen in dieser Argumentation als Aggressoren gegen die sich die jungtürkische Regierung des Osmanischen Reichs zu verteidigen hatte".

Fragwürdiger historischer Kontext

Eine Behauptung, die, so Dabag, falsch sei, weil sie die historische Lage und die Kontexte verschweige. So würde übersehen, dass es zu jener Zeit ein russisches Armenien gegeben habe, aus der die heutige Republik entstanden ist, und ein osmanisches, deren Bevölkerungen verschiedene Staatszugehörigkeiten und verschiedene Loyalitäten gehabt haben.


Dabag räumt ein, dass es sicherlich Armenier gegeben habe, die in der russischen Armee kämpften. Dabei habe es sich aber vornehmlich um Armenier aus Russisch-Armenien gehandelt, die russische Staatsbürger waren. Es sei aber auch richtig, dass sich vereinzelt Armenier aus dem Osmanischen Reich der russischen Armee angeschlossen haben. Die Aussage, Armenier Ostanatoliens hätten sich auf die Seite Russlands geschlagen, sei damit aber nicht zu begründen - sondern "einfach falsch". Darüber hinaus seien die wehrfähigen armenischen Männer auch bereits im Rahmen der Mobilmachung in die osmanische Armee eingezogen worden.

Schmach durch ethnische Säuberung?

Warum aber fällt es offenbar so schwer, diese Fakten zu akzeptieren? Schaut man in die Geschichtsbücher, liest man folgendes: Zu Beginn des 20.Jahrhunderts stand das Osmanische Reich vor seinem Untergang, die Gesellschaft vor der Umwandlung in eine Nation, die aus den turksprachigen Völkern Kleinasiens bestehen sollte. "Ein einheitlich türkisches Volk in einem neu definierten türkischen Vaterland", sagt Mihran Dabag. Die Schmach liegt offenbar darin, dass der Entstehung der neuen Republik "eine ethnische Säuberung" vorangegangen war, vorangetrieben auch von Gefolgsleuten des bis heute glorifizierten Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk.


Einige dieser Männer hatten in der neuen Republik sogar über Jahre hinweg hohe Ministerposten inne. Kaum verwunderlich also, dass gerade die Kemalisten und allen voran das Militär, die sich als Bürgen der modernen Türkei sehen, die Auseinandersetzung mit diesem Kapitel der Geschichte so sehr scheuen. Da mag es fast als Randnotiz erscheinen, dass sogar der Staatsgründer selbst einst die geplante Ausrottung der Armenier auf das Schärfste verurteilte. Denn: diese Äußerung wurde einfach schon bald nirgendwo mehr erwähnt. Deshalb geht es für Mihran Dabag bei der Leugnung des Genozids an den Armeniern um weitaus mehr, als nur das Abstreiten einer historisch belegten Tatsache.
MEDIATHEK
Gedenkstätte in Eriwan

*
Video
April 2005: Gedenken an Verfolgung

Falsches Selbstbild

Ziel sei es, die Grundlagen der türkischen Nation zu bestätigen, das bis heute gültige Selbstverständnis zu rechtfertigen und zu erhalten und so die heroische Geschichte der modernen Türkei fort zu schreiben. Die überwiegende Mehrheit innerhalb der politischen und gesellschaftlichen Eliten der Türkei fürchtet nun laut Dabag, dass eine Einsicht in diese Zusammenhänge, ein anderes Selbstbild der Republik notwendig machen würde, was dann auch zu einer anderen Politik führen müsste. Insbesondere in den Bereichen der Minderheitenpolitik und des Minderheitenschutzes.


Dabei kann die Türkei auch andere Kapitel ihrer gemeinsamen Geschichte mit den Armeniern zurückblicken. Betrachtet man deren Lebenssituation im ausgehenden Osmanischen Reich etwas detaillierter, so Dabag, muss man zwischen der Bevölkerung in Städten, wie dem heutigen Istanbul oder Izmir und der Bevölkerung in Ostanatolien unterscheiden. Während die Mehrheit der Armenier außerhalb der Städte in erster Linie Bauern und Handwerker waren, die immer wieder Schikanen ausgesetzt gewesen seien, habe die armenische Stadtbevölkerung zur selben Zeit eine Phase der Aufklärung und der kulturellen Blüte erlebt.

Angesehene armenische Architekten

Die stark westlich orientierte Gesellschaft hatte darüber hinaus Anteil an der kulturellen und wissenschaftlichen Modernisierung des Osmanischen Reiches. Einige der armenischen Familien Istanbuls standen sogar über Generationen hinweg im Dienste der Sultane. Zu ihnen gehören beispielsweise die Architekten der Familie Balyan. Sie bauten den Herrschern ihre prunkvollen Paläste entlang des Bosporus. Heute stehen sie auf jeder Liste zu besuchender Sehenswürdigkeiten: Dolmabahce, die Sommerresidenz in Beylerbeyi oder der Ciragan-Palast - seit langem Luxushotel für zahlungskräftige Gäste. Die Balyan-Architekten entwarfen auch die Moschee von Ortaköy, inzwischen ein beliebtes Motiv für Werbekampagnen.


Die Nation kann ihre Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Sie sei nicht gut damit beraten, den eingeschlagenen Kurs weiter zu fahren, kann man ab und zu hören - doch dann zumeist hinter vorgehaltener Hand.

Aufkeimende Auseinandersetzung

Dass die starre Haltung gegenüber der geschichtlichen Darstellung gerade beginnt aufzubrechen und eine differenziertere Sicht auch innerhalb der Türkei möglich zu werden scheint, entgeht Wissenschaftlern wir Mihan Dabag nicht. Positiv sieht er vor allem den Beitrag, den engagierte türkische Wissenschaftler und Publizisten in dieser Sache leisten und damit eine aufrichtige Auseinandersetzung auch innerhalb der türkischen Gesellschaft anregen.
MEDIATHEK

*
Interaktiv
Die Türkei im Überblick

Ablehnend steht der Wissenschaftler dagegen der seit einiger Zeit von der türkischen Regierung geforderten Historikerkommission gegenüber, die die Geschehnisse nochmal untersuchen soll. Eine solche Kommission würde seiner Meinung nach keineswegs den Beginn des häufig geforderten Dialogs bedeuten, sondern ihn eher verzögern, vielleicht sogar verhindern. Seiner Meinung nach setzt ein Dialog nicht Kommissionen voraus, die über eine Geschichte verhandeln oder eine Geschichte aushandeln, sondern Einsicht in die Tatsächlichkeit der Geschichte und deren Anerkennung.

Politische Frage zur Geschichte

Daher hält er es auch in hohem Maße für zynisch, den historisch und völkerrechtlich erwiesenen Tatbestand des Genozids zum Verhandlungsgegenstand zwischen den Nachkommen der Täter und den Nachkommen der Opfer machen zu wollen. Vielmehr sieht Dabag in der Forderung einen Versuch seitens des türkischen Staates, sich aus der politischen Verantwortung zu stehlen. Denn die Frage nach der Anerkennung sei keine historische Frage mehr, sondern längst von Historikern beantwortet.


Was bleibe sei eine politische Frage, die einer politischen Entscheidung bedürfe: stellt man sich der Verantwortung und ist man bereit diese auch für die Nachfolgegemeinschaft der Überlebenden zu übernehmen.



Last edited by iminhokis on Sat Mar 18, 2006 6:34 pm; edited 1 time in total
 
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