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23. Januar 2007
Von Annette Großbongardt , Istanbul

BEERDIGUNG VON HRANT DINK
"Wir sind alle Armenier!"



Die Beisetzung des ermordeten türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink geriet zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Erstmals wurde in der Türkei ein Armenier derart gewürdigt - doch gleichzeitig bejubeln Nationalisten die grausame Tat.


Istanbul - An diesem Dienstag, dem Tag, an dem der ermordete Journalist Hrant Dink zu Grabe getragen wird, hat Premierminister Recep Tayyip Erdogan einen wichtigen Termin. Er muß einen Autobahntunnel eröffnen. Deshalb, so ließ er sich entschuldigen, könne er nicht an der Beerdigung teilnehmen.

Viele Demonstranten, die gekommen sind, Dink das letzte Geleit zu erweisen, verstehen das nicht. Hatte Erdogan nicht davon gesprochen, daß die Kugeln, die vergangenen Freitag den armenisch-stämmigen Journalisten töteten, eigentlich "Schüsse auf die Türkei" waren?


Im Stadtteil Sisli, dort wo Dink vor dem Redaktionsgebäude seiner kleinen Zeitung "Agos" von dem 17jährigen Ogün Samast erschossen worden war, haben sich über 100.000 Menschen versammelt, in einer Massenbewegung, wie sie das Land seit der Beisetzung des populären Ministerpräsidenten Bülent Ecevit im vergangenen November nicht mehr gesehen hat.

Die Menschen halten schwarze Schilder hoch, auf denen der Satz steht, mit dem dieses ruchlose Attentat wohl in die Geschichtsbücher eingehen wird: "Wir sind alle Hrant Dink!" und "Wir sind alle Armenier!". Für ein Land, in dem die Armenier zur bedrängten christlichen Minderheit gehören, in dem noch immer der historische Streit um den Massenmord an den Armeniern im Osmanischen Reich 1915 glimmt, ist das eine Sensation.

Muslimische Türken solidarisieren sich


"Meine Mutter schärfte uns immer ein: Sprecht nicht Armenisch auf der Straße! Haltet Euch im Hintergrund", berichtet ein junge armenische Produktdesignerin, die mit ihren Freundinnen zur Trauerkundgebung gekommen ist. "Mit Dink haben wir Armenier unsere Stimme verloren".

Doch nun, und das ist das Erstaunliche, solidarisieren sich auch viele muslimische Türken mit Dink und seinem Schicksal. Sie würdigen ihn als Kämpfer für Menschenrechte und Meinungsfreiheit, als Symbol für Demokratie und hadern damit, dass in ihrem Land noch immer jemand sterben muss, nur weil er ein Andersdenkender ist. Immer wieder brechen Menschen in Schluchzen aus, wischen sich Tränen vom Gesicht. Dink war ein charismatischer Mensch, ein warmherziger Intellektueller. Nun könnte er als erster Armenier zur einer Symbolfigur der Türkei werden.

Immer wieder klatschen die Leute im Trauerzug, als Ausdruck der Anerkennung für seine mutige Lebensleistung, als Zeichen der Solidarität für seine Familie, die sich vom Dach eines Busses an die Menge wendet. Rakel Dink, seine Witwe, spricht mit hoher, brüchiger Stimme, sie muss gegen den Wind ankämpfen, und ihre Hand, die das Blatt mit dem Brief an ihren toten Mann hält, zittert stark. "Mein Geliebter", sagt sie, "du hast uns, deine Familie verlassen, aber nicht die Türkei". Dink vertrat selbstbewusst seine armenische Herkunft, er kämpfte gegen anhaltende Diskriminierung der christlichen Minderheit, der er angehörte, doch er liebte die Türkei, sie war seine Heimat.

Rakel und Hrant Dink hatten sich schon als Halbwüchsige in einem armenischen Waisenhaus kennengelernt, wo sie beide aufwuchsen, sie heirateten, leiteten das Waisenhaus später sogar gemeinsam, doch sie verloren es an den türkischen Staat - enteignet, wie so viel christlicher Besitz. Doch Dink wollte nirgends anders leben. In Armenien? "Wie könnte jemand wie ich das Unrecht dort, die Intoleranz aushalten?", fragte er einmal. Ein europäisches Land? Nein, da hätte er sich fremd gefühlt. "Ja, wir Armenier haben einen Anspruch auf die Erde dieses Mutterlandes hier, aber nicht, um es zu spalten und aufzuteilen, sondern um in seiner tiefen Umarmumg begraben zu werden".

Von Nationalisten vor Gericht gezerrt

Nicht so früh und nicht auf diese Weise wollte er begraben werden, doch er hatte die Gefahr gespürt, die näher kam, in den nationalistischen Drohbriefen, die immer aggressiver wurden, nachdem er wegen vermeintlicher "Beleidigung des Türkentums" unter dem berüchtigten Strafrechtsparagraphen 301 vor Gericht gezerrt worden war und die Nationalisten einen Feind, einen Verräter aus ihm machten.

"Mörder 301", auch das steht auf Plakaten, die Demonstranten auf der Trauerkundgebung hochhielten. Für sie und die überwiegende Mehrheit der türkischen Medien ist klar, dass der Schandparagraph 301, wegen dem Dink und anderen Intellektuellen wie Orhan Pamuk der Prozess gemacht wurde, Mitschuld am Tod Dinks trägt, denn er schuf die mörderische Atmosphäre des Hasses und der Hetze.

Nachdem der am Samstag abend festgenommene Todesschütze vor der Polizei erklärte, er habe Dink getötet, weil der türkisches Blut als schmutzig bezeichnet habe, häuften sich auf ultranationalistischen Websites die Freudenmails: "Danke, wer immer den Befehl gegeben hat! Danke an den, der den Auslöser gedrückt hat!" Und: "Das ist die beste Nachricht überhaupt".

"Der 301 hat Dink getötet", schrieb der einflussreiche Kolumnist Mehmet Ali Birand am Dienstag, dem Tag, als Hrant Dink beerdigt wurde, schließlich ganz unverblümt. Und so viele trügen Mitschuld: "Sagt mir, ob ich Unrecht habe! Sind wir eine harte Gesellschaft? Setzen wir nicht unsere religiösen Minderheiten herab? Wir betrachten unsere Bürger verschiedener ethnischer Gruppe nicht als welche von uns. Wir hassen verschiedene Standpunkte, Meinungen. Wir sind nur allzu bereit, unsere Sicht mit Gewalt durchzusetzen".

Auch "wir Intellektuelle und Eliten sind mitschuldig, wir haben unsere Stimme nicht laut genug erhoben, um auf die Absurditäten in den Verfahren gegen ihn hinzuweisen", kritisierte sein Kollege Suat Kiniklioglu in der islamischen Zeitung "Zaman". Tatsächlich hatte Dink die Aussage, für die er zu sechs Monaten Haft auf Bewährung unter dem Paragraphen 301 verurteilt worden war, nie so gemacht. Er hatte nicht vom "vergifteten Blut der Türken" gesprochen, sondern vielmehr die Armenier aufgefordert, auch ihrerseits ihren historischen Hass gegenüber den Türken zu überwinden und zu Dialog zu finden. Das bestätigte Dink sogar die Staatsanwaltschaft, das Gericht wollte es anders sehen.

Ob der Artikel 301 nun endlich abgeschafft wird, daran werde sich zeigen, ob die Türkei wirklich ihre Lehren aus der Ermordung Dinks ziehe, sagte der Europaabgeordnete der Grünen, Cem Özdemir am Dienstag in der armenischen Marienkirche, wohin er zur Trauerfeier für seinen ermordeten Freund Dink gekommen war. Auch der Umgang mit der ausstehenden Reform des Stiftungsrechts, das endlich ein Besitzrecht für die christlichen Minderheiten festschreiben und ihnen verlorenes Eigentum zurückgebensoll, sei ein Gradmesser dafür, so Özdemir, "was politisch von diesem Tag bleibt".

Teilnehmer aus Deutschland


Nicht weit von ihm stehen die Grüne Bundesvorsitzende Claudia Roth sowie der Vorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat. Özdemir erinnert sich noch, wie Dink einmal auf einer gemeinsamen Veranstaltung in Straßburg von Diaspora-Armeniern als "Sklave der Türken" beschimpft worden war. "Und hier haben sie ihn dann zum Feind der Türken gemacht."

Denn tatsächlich hatte Dink sich für Verständigung, Aussöhnung und Dialog eingesetzt und Scharfmacher und Ewiggestrige auf beiden Seiten kritisiert. Dass nicht alle Armenier ihn schätzten, zeigte sich auch an seinem ständigen Konflikt mit dem armenischen Patriarchen, dem Dink zu laut und zu politisch war.

Doch am Dienstag war es das Amt des Patriarchen, die Trauerpredigt zu halten, in der schönen alten, goldglänzenden Marienkirche. "Wir alle haben Hrant Dink verloren", sagte der Patriarch Mutafyan, und rief dazu auf, "endlich die Armenier als vollwertige Bürger dieses Landes zu akzeptieren, und auch die Feindschaft gegen Armenien zu beenden. Als er den Segen sprach, konnte er ein Schluchzen nicht verbergen.

"Wir sind aufgeweckt worden aus unserem Traum, die Türkei sei endlich dabei, ein normales Land zu werden", schrieb der Kolumnist Suat Kiniklioglu am Tag, als Hrant Dink beerdigt wurde. Dass seine Ermordung aber nun von manchen als Argumentationshilfe benutzt werde, dass die Türkei eben doch nicht nach Europa gehöre, das, so die Schriftstellerin Elif Schafak, "hätte Hrant besonders empört".

 
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Politik | 24.04.2005
"Das Deutsche Reich war Protokollant des armenischen Völkermords"


Mihran Dabag
Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Mihran Dabag

Der Leiter des Instituts für Genozidforschung Mihran Dabag ist Sohn Überlebender des Massakers an den Armeniern 1915. Im DW-WORLD-Interview fordert er die Türkei auf, sich "endlich" ihrer Geschichte zu stellen.

DW-WORLD: 90 Jahre nach der Ermordung von 1,5 Millionen Armeniern im damaligen Osmanischen Reich ist die Diskussion wieder aufgeflammt, ob hier von einem Völkermord zu sprechen ist oder nicht. Wie bewerten Sie die Diskussion?

Mihran Dabag: Die Diskussion ist sehr wichtig. Nach dieser Leugnung des Völkermords, die seit der Gründung der Türkei erfolgt, braucht es aber eine eindeutige Antwort. Doch sehe ich auch in der gegenwärtigen Diskussion noch Beschreibungen, wie die Rede vom ethnischen Konflikt, die eine Konzession gegenüber der Leugnungspolitik der Türkei bedeuten. Unsere europäische politische Kultur, die wir nach der Erfahrung des Holocaust entwickelt haben, verbietet uns solche relativierende Ansätze gegenüber einem Völkermord. Ich bedaure sehr, wie mit dem Thema umgegangen wird. Ich habe manchmal das Gefühl, dass es so behandelt wird wie ein Fußballspiel. Die Frage wird nicht ernsthaft diskutiert und das ist beschämend. Es ist an der Zeit, dass die Türkei sich ihrer Vergangenheit stellt und damit auseinandersetzt. Auf die Zukunft hat sie lange genug geschaut.

Warum ist es so wichtig, dass der Begriff Genozid benutzt wird?


Genozid ist zunächst eine juristische Kategorie, die einen Tatbestand beschreibt. Es gibt keinen Zweifel an der Zulässigkeit dieser Bezeichnung. Es handelt sich eindeutig um Völkermord. Es gibt keinen ernsthaften Wissenschaftler, der das Gegenteil behauptet. Auch sehe ich nicht, dass die Geschichtswissenschaftler eine Aufgabe haben, diesen Begriff zu füllen. Im Gegenteil: die Forschung braucht dieses Ja zum Genozid als Entlastung von der Beweiserbringung. In der gegenwärtigen Diskussion geht es ja nicht um eine umstrittene Geschichte. Es geht nicht um die Frage Völkermord ja oder nein. Es geht um die politische Antwort auf die Leugnung dieser Geschichte.

Die Türkei argumentiert, es seien weitere Untersuchungen notwendig über das, was vor 90 Jahren geschah.


Das ist eine taktische Überlegung, die sich auch in den türkischen Medien widerspiegelt. Bekannte türkische Journalisten fordern dies auch. Es geht darum, Zeit zu gewinnen, damit eine erinnerungslose Gesellschaft in der Türkei entsteht. Es soll so viel Zeit vergehen, dass es keine Erinnerung mehr an den Genozid an den Armeniern gibt. Das ist eine ganz wohlüberlegte Strategie der Türkei. Eine erinnerungslose Gesellschaft wird aber auch keinen Dialog mehr über ihre Geschichte führen können. Denn über das Nichts kann man nun mal nicht mehr reden.

Was halten Sie davon, dass man den EU-Beitritt an die Frage der Anerkennung des Genozids koppelt. Das Europäische Parlament hat das ja gefordert.

Das ist wichtig angesichts der Leugnungspolitik der Türkei. Europäische Identität basiert gerade auf der Erfahrung des Zweiten Weltkrieges und der Vernichtung der Juden in Europa. In den europäischen Ländern hat sich ein Konsens bezüglich der Verurteilung von Genozid gebildet. Das gehört zu unseren Grundwerten. Eine Türkei, die einen solchen Grundkonsens nicht akzeptiert, ist eine Gefährdung der europäischen politischen Kultur.

Also Beitritt nur unter der Bedingung der Anerkennung des Genozids?

Das sehe ich eindeutig so.

Frankreich, die Niederlande oder die Schweiz sprechen offiziell von Genozid. Deutschland ist da zurückhaltender. Wie bewerten Sie die Rolle Deutschlands heute?

Es gibt einen Fortschritt. Denn vor zwei Jahren konnten Sie dieses Thema nicht einmal ansprechen. Aber die Auseinandersetzung geht noch nicht weit genug. Der Antrag der Unionsfraktion (der am Donnerstag, 21.4.2005, im Bundestag debattiert wurde. Anmerkung d. Redaktion) spricht nicht von Völkermord, sondern von Vertreibung und Massaker. Massaker ist eine Kategorie der Bewertung wie Völkermord. Mit diesen relativierenden Begriffen werden die Ereignisse aber heruntergespielt. Diese Begrifflichkeit hilft der Türkei, indem sie ihr als Überbrückungskategorie dient. Ich finde, nach 90 Jahren Leugnung dürfen keine relativierenden Kategorien Verwendung finden. Sie brauchen eine klare Begrifflichkeit, damit auch eine freie Forschung möglich wird, ebenso wie eine uneingeschränkte Erzählung.


Wie sehen Sie die Rolle des Deutschen Reiches damals? Unter Historikern besteht Einigkeit, dass Deutschland als Verbündeter der Türkei über die Deportationen, Todesmärsche und Überfälle informiert war.


Ich würde das Deutsche Reich, den damaligen Bündnispartner des Osmanischen Reichs, als Protokollant des Völkermords bezeichnen. Keine diplomatische Vertretung, kein Land konnte die Ereignisse so nah beobachten wie die deutschen Diplomaten oder Offiziere. Das Deutsche Reich hat als Verbündeter des Osmanischen Reiches einer Deportation der Armenier zugestimmt. Davon bin ich überzeugt. Das sind die Schlüsse, die ich aus dem Aktenstudium ziehen kann. Ob das Deutsche Reich einer Vernichtung der Armenier nicht nur zugestimmt hat, sondern die Verantwortung auch weiter ging, das ist eine Frage, die heute noch nicht zu beantworten ist.

Inwiefern kann hier von einer Mitschuld des Deutschen Reiches gesprochen werden?


Die deutschen Offiziellen wären in der Lage gewesen, die Deportation zu verhindern. Aber sie haben von Anfang an einer Deportation zugestimmt. Die Argumente in der Debatte über die Deportation der Armenier aus Anatolien lassen sich bis in die 1890er-Jahre zurückverfolgen. Die Zukunft des Osmanischen Reiches war ein Thema im Deutschen Reich und die Idee der Deportation der Armenier viel diskutiert. Diese Idee führte auch dazu, dass sich das deutsche Reich mit einer Deportation der Armenier einverstanden erklärt hat.

Sie sind nicht nur als Leiter des Instituts für Diaspora- und Genozidforschung mit dem Thema betraut, sondern haben auch einen ganz persönlichen Bezug. Inwiefern?

Ich bin Sohn eines armenischen Vaters und einer aramäischen Mutter. Beide überlebten den Genozid und ich bin mit ihren Erzählungen aufgewachsen.

Wie sind die Überlebenden mit dem Thema umgegangen?

Die Erinnerung wurde im familiären Kreise weitergegeben. Nach außen fand die Erzählung nicht statt. Es gibt keine armenische Familie in der Türkei oder in der Diaspora, die nicht diese Geschichte hat. Aber diese Geschichte darf nicht erzählt werden, das ist das schlimmste. Doch auch die türkische Erinnerung darf nicht erzählt werden. Wenn Sie heute mit Türken zusammenkommen und über diese Ereignisse sprechen, dann werden - noch - jene Geschichten erzählt, die in den türkischen Geschichten von den Großeltern und Eltern weitergegeben wurden. Was ich der offiziellen Türkei und ihren Eliten vorwerfe, ist, dass sie durch die Verhinderung der Erinnerung der eigenen Bevölkerung die Chance genommen haben, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen. Jeder Kritiker wird zu einem Feind der Nation, zu einem Verräter erklärt, wenn er eine aufrichtige Haltung gegenüber der türkischen Geschichte einnimmt. Großen Verrat an ihrem Land verüben aber diejenigen, die ihrem Land die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte verwehren. Und das tut die türkische Elite mit ihrer systematischen Leugnungspolitik.

Sie haben 138 Lebensberichte von Armeniern über den Genozid gesammelt. Die meisten sind unveröffentlicht. Woran liegt das?

Über ein Thema zu forschen ist nur möglich, wenn es als ein Thema, relevant für die Grundlagenforschung, relevant für eine Forschungslandschaft, anerkannt ist. Jede Forschung braucht einen Förderrahmen und eine Diskussionsrahmen. Jede Forschung über die armenische Geschichte steht aber unter dem Zwang, zunächst den Genozid selbst beweisen zu müssen. Oder unter dem Verdacht, dies ist ein weiteres problematisches Ergebnis der jahrzehntelangen türkischen Leugnungspolitik, "politische", "ethnisch" motivierte Forschung zu sein. Die Rücksichtsnahme gegenüber der Türkei hat bisher sogar die Forschung im Bereich der Langzeittraumata der armenischen Überlebenden verhindert. Ich hoffe sehr, dass nach dieser Debatte anlässlich des Gedenktages am 24. April vielleicht mehr Projekte gefördert werden.


Das Gespräch führte Steffen Leide
 
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