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Perinçek: Revue de Presse
 

050723|TA|Den Völkermord erneut geleugnet
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Seite 15© - Tages Anzeiger 23.07.2005

Zürich

Den Völkermord erneut geleugnet

Gestern ist eine Delegation aus der Türkei in Zürich eingetroffen, um den Jahrestag des Lausanner Abkommens zu feiern. Das heikle Thema des Genozids an den Armeniern sorgt für Irritationen.



Glattbrugg. - In Lausanne war im Juli 1923 die Republik Türkei international als souveräner Staat anerkannt worden. Der Besuch der hochrangigen türkischen Delegation, der gestern Freitag begann und bis Sonntag dauert, gilt diesem wichtigen Ereignis in der modernen türkischen Geschichte (TA vom 16. Juli). Und er war Anlass, an einer Medienkonferenz im Hotel Hilton beim Flughafen ein zweites, weit heikleres Thema der türkischen Geschichte anzusprechen: den der Türken an über einer Million Armeniern im Ersten Weltkrieg. Völkermord Das Schweizer Parlament hat dieses Ereignis wie viele andere westliche Länder als Genozid bezeichnet. Wer das hier zu Lande leugnet, macht sich strafbar, weil er gegen den Antirassismusartikel verstösst. Die offizielle Türkei sieht das anders, was letztes Jahr zu diplomatischen Unstimmigkeiten führte. Die Staatsanwaltschaft Winterthur hatte gegen einen bekannten türkischen Historiker ein Verfahren eröffnet, nachdem dieser in Winterthur den geleugnet hatte. Im Gegenzug klagte die türkische Justiz den ermittelnden Staatsanwalt Andrej Gnehm an.


Völkermord Spitzenpolitiker: «Genozid ist Lüge»

Vor diesem Hintergrund und vor einem grossen Transparent des türkischen Staatsgründers Kemal Atatürk sprachen gestern Freitagnachmittag mehrere Redner in Glattbrugg, darunter Dogu Perinçek, der Vorsitzende der Arbeiterpartei. Im Publikum waren einige Journalisten aus der Schweiz und der Türkei, vor allem aber viele Fähnchen schwenkende und heftig applaudierende Landsleute der Redner. «Dieser so genannte Genozid an den Armeniern ist eine Lüge und ein Instrument der Imperialisten aus den USA und aus Europa», sagte Perinçek auf Deutsch. Die Imperialisten hätten die Türkei damals aufteilen wollen, «aber wir haben unser Vaterland verteidigt und werden wieder mit dem Gewehrantworten», sagte er. Ein Organisator des Besuchs verteilte anschliessend deutsche Exemplare von Perinçeks Streitschrift «Die Grossmächte und die Armenierfrage in sowjetischen Dokumenten», worin der Politiker unter anderem schreibt: «Die Lüge des sogenannten Genozids an den Armeniern wurde 1915 von den Engländern, den Franzosen und den Zarenrussen (...) erfunden und in die Welt gesetzt. (...) Die federführende Kraft bei der heutigen Kampagne jedoch sind die USA.» Weil es sich bei der Leugnung jedes Genozids in der Schweiz um ein Offizialdelikt handelt und die Behörden vom Besuch wissen, verfolgen Polizei und Strafverfolgungsbehörden das Tun der türkischen Gäste in der Schweiz aufmerksam. Für heute Samstagnachmittag ist eine Tagung in Winterthur geplant, für morgen ein Demonstrationsmarsch in Lausanne. (mgm)

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