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Halacoglu: Revue de Presse
 

050415|St.Galler Tagblatt|Druck der Türkei auf Armenien
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Druck der Türkei auf Armenien
St.Galler Tagblatt
Ausgabe vom Freitag, 15. April 2005
http://www.tagblatt.ch/index.jsp?artikel_id=1030611&ressort=ausland

Kurz vor dem 90. Jahrestag des Beginns des Völkermords an den Armeniern in der Türkei, dem 24. April, hat das Parlament in Ankara eine «Gegenoffensive» eröffnet.

Jan Keetman/Istanbul

Der türkische Aussenminister Gül erklärte vor dem Parlament, der Vorwurf des Völkermordes bestehe nur aus «Vorurteilen, Anschwärzungen, Lügen, Übertreibungen und Fälschungen».
Armenien gegen Kommission

Das türkische Parlament forderte am Mittwoch auch jene Parlamente in andern Staaten, die Resolutionen zur Deportation der Armenier verabschiedet haben, auf, Druck auf Armenien auszuüben, damit dieses der Einrichtung einer gemeinsamen Historikerkommission mit der Türkei zur Untersuchung der Vorfälle von 1915 zustimme. Wenn Armenien mit der Türkei gutnachbarschaftliche Beziehungen wolle, so müsse es dieser Kommission zustimmen. Nahezu gleichzeitig mit der Aussprache im türkischen Parlament gedachte das Europäische Parlament des «Völkermordes an den Armeniern». Armenien lehnt den Vorschlag einer gemeinsamen Historikerkommission denn auch ab, weil die Geschichte nach seiner Auffassung nicht strittig ist. Um die türkische Haltung zu verstehen, muss man die aufgewühlte nationalistische Kampagne der vergangenen Monate im Auge haben, die fast alle Zwischentöne unterdrückt hat. Wer in der Türkei täglich Zeitungen liest oder versucht, sich auf dem Buchmarkt zu informieren, muss bald den Eindruck haben, die Türken würden nicht nur zu Unrecht seit 90 Jahren angeschwärzt, sondern sie selbst seien die eigentlichen Opfer gewesen.
Zahlenverdrehung

Insbesondere der Vorsitzende der Türkischen Gesellschaft für Geschichte, Yusuf Halacoglu, hat in den letzten Wochen die türkische Gegenoffensive gegen die Völkermordthese mit immer neuen Argumenten angetrieben. Vergangene Woche revidierte er an einer Veranstaltung in Istanbul die Zahl der getöteten Armenier noch einmal nach unten: Es seien nur wenige Tausend Armenier, aber über eine halbe Million Moslems von Armeniern getötet worden.
Gar nicht möglich ...

Halacoglu hat sachliche Argumente, historische Fakten und die Tatsache, dass es auch von der anderen Seite Übergriffe gab, zusammengetragen. Schliesslich sei es auch, so sagt er, gar nicht möglich, dass die Türken die Armenier ermordeten, denn sie hätten 850 Jahre friedlich mit ihnen zusammengelebt. Dabei fällt ihm nicht auf, dass das ja dann auch für die Armenier gilt, von denen er eben berichtete, sie hätten mehr als eine halbe Million Türken ermordet.

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