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Halacoglu: Revue de Presse
 

050503|BAZ|Schwere Vorwürfe gegen Schweizer Behörden
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Halacoglu: Schwere Vorwürfe gegen Schweizer Behörden

Istanbul. SDA/baz. Mit scharfer Kritik an den Schweizer Behörden hat der türkische Historiker Yusuf Halacoglu auf die Vorermittlungen reagiert, die von der Justiz in Winterthur gegen ihn eingeleitet wurden.

Das wahre Ziel der Vorwürfe der Schweizer Behörden sei nicht er persönlich, sondern der türkische Staat, sagte Halacoglu der Zeitung «Hürriyet». In der Zeitung «Sabah» sprach er von einer «mittelalterlichen Mentalität», die sich in den Vorermittlungen wegen Leugnung eines Völkermordes an den Armeniern offenbare.

Falls es in der Schweiz zu einem Prozess gegen ihn komme, werde er sich dort nicht verteidigen. Statt dessen werde er das Europäische Menschenrechtsgericht in Strassburg anrufen, kündigte Halacoglu gegenüber den Zeitungen vom Dienstag an.

Die Winterthurer Justiz geht einer Strafanzeige gegen Halacoglu nach, die sich auf eine in Winterthur gehaltene Rede des Historikers im Mai 2004 bezieht. Halacoglu, der Vorsitzende der Türkischen Gesellschaft für Geschichte, ist ein führender Vertreter der offiziellen Linie Ankaras in der Armenierfrage.

Kontroverse um Armenier

Die Türkei betrachtet den Tod von mindestens mehreren hunderttausend Armeniern im Ersten Weltkrieg als tragische Folge einer kriegsbedingten Zwangsumsiedlung. Den Vorwurf eines gezielten Völkermordes der damaligen osmanischen Behörden an den Armeniern weist Ankara strikt zurück.

In der Zeitung «Zaman» sagte Halacoglu in Anspielung auf den türkischen Autoren Orhan Pamuk, in der Türkei dürften Schriftsteller jedenfalls ungestraft von einem Völkermord sprechen. Die Türkei sei offenbar demokratischer als europäische Staaten.

Pamuk hatte Anfang des Jahres öffentlich von der Ermordung einer Million Armenier in der Türkei gesprochen und war daraufhin in seiner Heimat scharf angegriffen worden.

«Was ist das für eine Demokratie?»

In der «Hürriyet» verwies Halacoglu auf Bestrebungen in der Schweiz, Frankreich und Belgien, das Leugnen des Völkermordes an den Armeniern unter Strafe zu stellen, und fragte: «Was ist das für eine Demokratie, was ist das für eine Meinungsfreiheit?»

Er werde sich trotz der Ermittlungen nicht von seiner Ansicht in der Armenierfrage abbringen lassen: «Auch Galileo hat man vor Gericht gestellt, doch die Welt drehte sich trotzdem weiter.»

Links
o Türkische Regierung im Internet
o Türkische Nachrichtenagentur Anatolia
o Eidgenössisches Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA)

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