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Halacoglu: Revue de Presse
 

050504|St. Galler Tagblatt|Erneut Streit mit der Türkei
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St. Galler Tagblatt, Inland, 4. Mai 2005

Erneut Streit mit der Türkei

Neue Irritationen: Vorermittlungen gegen türkischen Historiker lösen Proteste aus


Türkische Zeitungen stellen die Schweiz an den Pranger. Der Grund: Die Justiz in Winterthur geht einer Anzeige nach, die gegen den Historiker Yusuf Halacoglu eingereicht wurde. Halacoglu bestritt bei einem Auftritt in Zürich den Völkermord an den Armeniern.


Jan Keetman/Istanbul


Die türkische Presse macht Yusuf Halacoglu, Vorsitzender der türkischen Gesellschaft für Geschichte und prominenter Historiker, zum Märtyrer. Die Massenzeitungen «Hürriyet» und «Milliyet» etwa schäumen über die «Ungerechtigkeit der Schweizer Behörden». Die «Milliyet» schrieb «Vollstreckung ohne Gerichtsbeschluss» in grossen Balken über ihre Frontseite und legte auf der Innenseite noch einmal kräftig nach: «Verhaftung wegen Gedanken». Nach Darstellung der Zeitung wird Halacoglu von einem Gericht in Zürich per Steckbrief und über Interpol gesucht, mit «rotem Schriftstück», wie eine Zwischenüberschrift lautet.


Verzerrte Berichterstattung


Die dramatischen Berichte sind nach Angaben der Schweizer Botschaft in Ankara erheblich zu modifizieren. Demnach führen die Justizbehörden in Winterthur eine Vorermittlung gegen Halacoglu und erkundigten sich deswegen über die Adresse des Beschuldigten. Die Voruntersuchung erfolgt auf eine Anzeige hin, nachdem Halacoglu vergangenes Jahr auf einer Veranstaltung in Zürich den Vorwurf des Völkermordes abgestritten hatte. Von einem Haftbefehl gegen Halacoglu also keine Spur.


Massaker verleugnet


Der Vorgang zeigt jedoch, wie weit die Ansichten in der Armenierfrage auseinander klaffen. Halacoglu hat es verstanden, sich in der Türkei als Vertreter der offiziellen These - nämlich dass es keinen Völkermord an den Armeniern gegeben hat - zu profilieren. Und Halacoglu vertritt diese These besonders aggressiv. Nach Halacoglu ist die Geschichte umgekehrt verlaufen: 500 000 Muslime seien von Armeniern ermordet worden, die Zahl der getöteten Armenier betrage nur einen kleinen Bruchteil davon. Was Halacoglu als Historiker zugespitzt vertritt, lernen in der Türkei freilich die Kinder schon in der Schule. Bei einer kürzlichen Aussprache im türkischen Parlament bezweifelte kein einziger Redner die offizielle These. Zwar hat der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan seinem armenischen Kollegen Kotscharian die Bildung einer gemeinsamen Historikerkommission vorgeschlagen - dies allerdings mehr des internationalen Drucks wegen denn als Versuch, die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten. Gleichwohl verliert die Türkei in der Armenierfrage international immer mehr an Boden. Obwohl sich die türkische Diplomatie mit ganzer Kraft dagegen stemmt, haben bisher 16 Parlamente rund um den Globus den Völkermord anerkannt, darunter das Europaparlament, die französische Nationalversammlung sowie die Parlamente der Schweiz, Belgiens, Hollands, Schwedens und Russlands. Dazukommen werden schon bald auch Polen und Deutschland.

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