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Halacoglu: Revue de Presse
 

050505|St. Galler Tagblatt|Kampagne gegen Türkei
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«Kampagne gegen Türkei»

Harte Vorwürfe gegen Schweiz wegen Armenier-Ermittlungen

istanbul. Die Vorermittlungen der Winterthurer Justiz gegen den türkischen Historiker Yusuf Halacoglu haben weitere heftige Reaktionen ausgelöst.


Der türkische Justizminister Cemil Cicek warf der Schweiz vor, sie führe mit dem Armenier-Thema eine «Kampagne» gegen die Türkei. «Mit einer auf Lügen aufgebauten juristischen Konstruktion wird hier eine Kampagne gegen die Türkei geführt», sagte Cicek nach Berichten türkischer Medien in Istanbul. Die Türkei habe ein reines Gewissen. «Nur von aussen gibt es leider diese Entwicklung, gegen die wir alle zusammenhalten wollen.»


«Mittelalterliche Mentalität»


Auch Historiker Halacoglu bezog Stellung. Das wahre Ziel der Vorwürfe der Schweizer Behörden sei nicht er persönlich, sondern der türkische Staat, sagte er der Zeitung «Hürriyet». In der Zeitung «Sabah» sprach er von einer «mittelalterlichen Mentalität», die sich in den Vorermittlungen wegen Leugnung eines Völkermordes an den Armeniern offenbare. Falls es in der Schweiz zu einem Prozess gegen ihn komme, werde er sich dort nicht verteidigen. Stattdessen werde er das Europäische Menschenrechtsgericht in Strassburg anrufen, kündigte Halacoglu gegenüber den Zeitungen an.


Kontroverse um Armenier


Die Winterthurer Justiz geht einer Strafanzeige gegen Halacoglu nach, die sich auf eine in Winterthur gehaltene Rede des Historikers im Mai 2004 bezieht. Halacoglu, der Vorsitzende der Türkischen Gesellschaft für Geschichte, ist ein führender Vertreter der offiziellen Linie Ankaras in der Armenierfrage. Die Türkei betrachtet den Tod von mindestens mehreren hunderttausend Armeniern im Ersten Weltkrieg als tragische Folge einer kriegsbedingten Zwangsumsiedlung. Den Vorwurf eines gezielten Völkermordes der damaligen osmanischen Behörden an den Armeniern weist Ankara strikt zurück. In der Zeitung «Zaman» sagte Halacoglu in Anspielung auf den türkischen Autor Orhan Pamuk, in der Türkei dürften Schriftsteller jedenfalls ungestraft von einem Völkermord sprechen. Die Türkei sei offenbar demokratischer als europäische Staaten. Pamuk hatte Anfang des Jahres öffentlich von der Ermordung einer Million Armenier in der Türkei gesprochen und war daraufhin in seiner Heimat scharf angegriffen worden. In der «Hürriyet» verwies Halacoglu auf Bestrebungen in der Schweiz, Frankreich und Belgien, das Leugnen des Völkermordes an den Armeniern unter Strafe zu stellen, und fragte: «Was ist das für eine Demokratie, was ist das für eine Meinungsfreiheit?» Er werde sich trotz der Ermittlungen nicht von seiner Ansicht abbringen lassen: «Auch Galileo hat man vor Gericht gestellt, doch die Welt drehte sich trotzdem weiter.» (sda)




Kein Haftbefehl


Die Strafuntersuchung der Winterthurer Staatsanwaltschaft gegen den türkischen Historiker Yusuf Halacoglu befindet sich nach wie vor im Anfangsstadium. Dies sagte der zuständige Staatsanwalt Andrej Gnehm und dementierte, dass Halacoglu zur Verhaftung ausgeschrieben sei.


Ob es zu einer Anklageerhebung oder einer Verfahrenseinstellung in der Sache kommt, ist zurzeit offen. Eine Einstellung des Verfahrens aus politischen Gründen komme aber nicht in Frage, betonte Gnehm. Er müsse einzig und allein das Schweizer Gesetz anwenden. (ap)

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