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Halacoglu: Revue de Presse
 

050611|Oltnertagblatt|Deiss in Ankara unerwünscht?
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Samstag, 11. Juni 2005

Deiss in Ankara unerwünscht?
Schweiz-Türkei Armenien-Frage belastet Beziehungen

HARALD HAMMEL

Mit dem Besuch von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey Ende März in Ankara
schienen die langjährigen Spannungen zwischen der Schweiz und der Türkei
beseitigt. Beide Seiten sprachen damals jedenfalls von einem «neuen Kapitel» in den
Beziehungen. Doch bereits wird das bilaterale Verhältnis erneut auf die Probe
gestellt.


Wie die türkischen Tageszeitungen «Radikal» und «Milliyet» gestern
berichteten, hat der türkische Handelsminister Kürsad Tüzmen bereits vor einem
Monat seine Teilnahme am «Swiss-Turkish-Business-Council» abgesagt, das vom 22. bis 24.
Juni in Zürich stattfinden sollte. Dies, weil die Staatsanwaltschaft Winterthur
eine Strafuntersuchung gegen den türkischen Historiker Yusuf Halacoglu
eingeleitet hatte. Dieser soll am 2. Mai 2004 in einem Vortrag den von Türken
begangenen Völkermord an den Armeniern verharmlost und damit das
Anti-Rassismus-Gesetz verletzt haben, wie Staatsanwalt Ueli Arbenz auf Anfrage der
MZ darlegt.
Gegenüber «Radikal» bezeichnete Handelsminister Tüzmen Halacoglu als «guten
Freund». Aus Solidarität mit ihm verzichte er auf die Reise in die Schweiz.

«Termingründe»
Ein bei dieser Gelegenheit geplantes Arbeitsessen mit Bundesrat Joseph Deiss
annullierte der Politiker ebenfalls – offiziell «aus Termingründen», wie
Deiss’ Sprecher Christophe Hans sagt. Dass der Schweizer Volkswirtschaftsminister
laut der türkischen Presse im Gegenzug einen für September vorgesehenen
Gegenbesuch in Ankara abgesagt haben soll, bestätigte Hans hingegen nicht. Vielmehr
sei es so, dass die Türkei die Visite nicht bestätigt und – wiederum –
«Terminschwierigkeiten signalisiert» habe.
Die türkische Botschaft in der Schweiz beantwortete gestern eine Anfrage der
MZ für eine Stellungnahme nicht.

1915 wirkt bis heute nach
Halacoglu gehört zu den prominentesten Verfechtern der türkischen Thesen zu
den Ereignissen von 1915: Völkermord an den Armeniern habe es keinen gegeben,
aber Deportationen, behauptet der Präsident der Türkischen Historischen
Gesellschaft. Diese Deportationen seien eine Reaktion auf Rebellionen der Armenier
während des 1. Weltkrieges gewesen. Dabei sei es zu Übergriffen gekommen.
Hauptsächliche Todesursache sei jedoch die Versorgungslage im Krieg gewesen. Zudem
seien auch Muslime von Armeniern getötet worden. Die Frage des armenischen
Völkermords führte in der Vergangenheit immer wieder zu Verstimmungen zwischen
Ankara und Bern.
Ob es überhaupt zu einer Anklageerhebung gegen Yusuf Halacoglu kommt, ist
offen. Denn die Staatsanwaltschaft habe den Verdacht auf Verletzung der
Rassismusstrafnorm noch nicht erhärten können, sagt Ueli Arbenz. Der His-toriker
habe seine Thesen ja mündlich verbreitet, daher seien sie nicht mehr reproduzierbar.
Ausserdem sei Halacoglus Wohnsitz unbekannt. Die Untersuchung läuft seit dem
24. Mai 2004.

http://www.swissinfo.org/sde/swissinfo.html?siteSect=107&sid=5862095&cKey=1118
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