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Turquie-EU: Revue de Presse
 

040424|Welt|Armenier
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24. April 2004 | Die Welt | Nikolaus Blome | Berlin

Armenier

Eine Woche vor ihrem Beitritt richten sich naturgemäß alle Scheinwerfer auf die zehn neuen EU-Staaten. Das haben sie redlich verdient, weil in ihren Reihen die Wiedervereinigung des Kontinents einst begann. Aber auch in ihrem Schatten tut sich etwas: Die Türkei macht sich bereit, in die erste Reihe der Anwärter vorzurücken. Allen Warnungen zum Trotz soll im Dezember der Beginn der Aufnahmeverhandlungen offiziell fixiert werden. Versprochen ist versprochen, so lautet das erschreckend schlichte Argument derer, die den Beitritt betreiben. Den Kritikern dagegen wird erklärt, dass trotz aller Fortschritte das Land heute die Aufnahmebedingungen nicht erfüllt - eine durch Verhandlungen weiter "gewandelte" Türkei aber durchaus beitreten könne.

Dieser Weg ist lang und steinig. Es geht ja nicht nur um Wirtschaftsfragen oder Freizügigkeit von womöglich Millionen Arbeit Suchenden. Es geht auch um manch hässlichen Knoten auf der nationalen Seele. Wie beiläufig hat nun einer der wichtigsten deutschen Förderer des Türkei-Beitritts eine solche Stelle berührt: Außenminister Joschka Fischer hat in Eriwan einen Kranz am Mahnmal für die in Massen ermordeten Armenier niedergelegt. Kaum ein Historiker streitet noch darüber, was vor knapp 90 Jahren geschah. Für die Türkei ist das Schicksal der Armenier gleichwohl ein nationales Trauma, an das zu rühren sie weder willens noch fähig sind. Ob sich das in Verhandlungen wandeln lässt?

Die sich jetzt vollziehende Erweiterung der EU hat an mehreren Beispielen gelehrt, dass europäisch sich nicht nennen darf, wer den ehrlichen Blick auf die eigene nationale Geschichte verweigert - noch dazu aus Staatsräson. Das Massaker an den Armeniern anzuerkennen ist gewiss nicht die höchste Hürde, die noch zwischen der Türkei und der EU steht. Aber eine, die auch überwunden werden muss.


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Siehe auch:
- http://www.welt.de/data/2004/04/24/268706.html
- http://www.welt.de/data/2004/04/24/268904.html

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