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First Film about Armenian Genocide

 
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 PostPosted: Thu Feb 01, 2007 12:38 pm    Post subject: First Film about Armenian Genocide Reply with quote Back to top

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Berlinale, 14. und 15. Februar 2007: Weltpremiere des italienischer Spielfilms Das Haus der Lerchen über den Völkermord an Armeniern

31.01.2007 20:40

Die bekannten italienischen Autorenfilmer Paolo und Vittorio Taviani verdichten in La masseria delle allodole/ Das Haus der Lerchen (Italien/Bulgarien/Frankreich/Spanien) erneut einen zeitgeschichtlichen Stoff zu einer exemplarischen Erzählung. Im Zentrum stehen die Mitglieder einer Familie, die im Mai 1915 mit dem Befehl zur Auslöschung der armenischen Minderheit konfrontiert werden und um ihr Leben kämpfen. In den Hauptrollen: Paz Vega, Moritz Bleibtreu, Arsinée Khanjian, Tcheky Karyo, Angela Molina. Vorlage für das Drehbuch bildete die epenhafte Familiensaga von Antonia Aslan.


*************

Ce film raconte le génocide des arméniens à travers l’histoire d’une famille qui vit en Arménie et qui, dans l’attente de l’arrivée de certains parents désormais installés en Italie, restaure un mas pour les accueillir. Hélas, la Première guerre mondiale va empêcher cette famille de se retrouver et elle sera en faite victime du génocide commis par les Turcs. [Lire plus ici]
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 PostPosted: Tue Feb 13, 2007 11:24 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

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http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/070213/lerchen.html

Moritz Bleibtreu in dem Film, der die Berlinale schockt
Völkermord-Drama "Das Haus der Lerchen". Schreckensszenen werden erwartet. Droht ein politischer Konflikt?


Moritz Bleibtreu als türkischer Soldat Youssuf




Es gibt Filme, die man nicht sehen will, aber sehen sollte. Solch ein Film ist "Das Haus der Lerchen" der Brüder Paolo und Vittorio Taviani. Mittwoch läuft er in der Sektion Berlinale Special im Filmpalast (21.30 Uhr), schon jetzt gilt der Film als der schockierendste Beitrag des Festivals.

Denn die Regisseure erzählen mit erschreckender Deutlichkeit von einem der dunkelsten Flecken in der Geschichte der Türkei - dem Massenmord an den Armeniern 1915. Zu sehen sind fürchterliche Szenen, in denen Mütter gezwungen werden, ihre Kinder zu zerquetschen, unerträgliche Grausamkeiten, wie sie selten zuvor auf der Leinwand zu sehen waren. In einer der Hauptrollen: Moritz Bleibtreu. Er spielt den türkischen Soldaten Youssuf, der seine Geliebte enthauptet, um sie vor dem Scheiterhaufen zu retten.



Bis heute leugnet die türkische Regierung den Völkermord. Anderslautende Äußerungen von Türken werden bestraft, so geschehen, als der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk in einem Interview bestätigte, dass es ein massenhaftes Töten von Armeniern gegeben hat.
Hunderttausende starben bei den Todesmärschen in der Wüste
Foto: Berlinale
Bilder von unerträglicher Grausamkeit und Gewalt

Daraufhin wurde er wegen "Herabsetzung des Türkentums" angeklagt, nach der Ermordung des kritischen armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink verließ er aus Angst das Land.

Die europäische Filmproduktion "Das Haus der Lerchen" kommt also zur richtigen Zeit. "Es ist kein Film gegen die Türkei", so Paolo Taviani, einer der Regisseure. "Im Gegenteil, es ist ein Film für alle, die sich in der Türkei mit der Geschichte beschäftigen. Immerhin haben 100 000 in Istanbul gegen den Mord an Hrant Dink demonstriert."
Die Armenierin Nunik (Paz Vega) verliebt sich in den türkischen Soldaten Youssuf (Moritz Bleibtreu)
Foto: ©



Bereits 2003 lief mit "Ararat" von Atom Egoyan ein Film zu dem Thema bei der Berlinale. Ausschreitungen oder Proteste erwartet die Festivalleistung deshalb nicht. "Aber es gibt wie bei allen politisch brisanten Filmen ein besondere Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte", so die Berlinale-Sprecherin Frauke Greiner. So sieht es auch die Polizei, die von keiner Gefährdung ausgeht, aber "vor Ort ist und sich die Situation anschauen wird", erklärte der Polizeisprecher Bernhard Schodrowski. zö
Letzte Änderung: Dienstag, 13. Februar. 2007, 12:15 Uhr
 
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 PostPosted: Wed Feb 14, 2007 11:19 am    Post subject: Reply with quote Back to top

Anciens articles:

Les Frères Taviani au Festival de Cannes ?

La Turquie va financer un film sur le génocide des Arméniens




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14. Februar 2007

Von Wolfgang Höbel und Alexander Smoltczyk

BRISANTER BERLINALE-BEITRAG
Lerchen im Keller




Der brisanteste Beitrag der 57. Filmfestspiele kommt von den italienischen Cineasten-Legenden Paolo und Vittorio Taviani: In "Das Haus der Lerchen" schildern sie den türkischen Genozid an den Armeniern.

Es ist ein Film voller eindringlicher Bilder, vielsagender Gesten: Da ist ein türkischer Soldat, der steht ein wenig unbeholfen neben dem so herrschaftlich gedeckten Mittagstisch. Er nimmt die Suppenschüssel vorsichtig in die Hände, hebt sie an, hält kurz inne und - gießt die Suppe langsam über das Damasttischtuch.


Der Schrecken beginnt mit Kleinigkeiten. Das Unvorstellbare stellt sich sehr höflich vor.


Da wollen die türkischen Knechte plötzlich den Wagen der armenischen Herren heute doch lieber nicht mehr abladen: "Es ist schon spät", und wenig später sind die Herrschaften als Volksfeinde zum Schlachten freigegeben, sind um ihr Leben wimmernde Bündel Mensch geworden.

So beginnen Völkermorde. Mit umgestürzten Suppenschüsseln, mit plötzlich nicht wiederzuerkennenden Vertrauten, mit dem letzten, dem allerletzten Gedanken kurz vor dem Hieb: nein, das kann nicht sein.

Die italienischen Regisseure Paolo und Vittorio Taviani, beide inzwischen weit in den Siebzigern, zeigen auf der Berlinale mit "Das Haus der Lerchen" den wichtigsten, den aufwühlendsten Beitrag zur Erinnerungskultur. Er betrifft den Völkermord der Türken an den Armeniern - und läuft außer Konkurrenz. Aber man wird von ihm sprechen, noch weit hinten in der Türkei. Besonders dort.

Bereits in ihren früheren Meisterwerken "Padre Padrone" (1977) und "Die Nacht von San Lorenzo" (1982) hatten die Gebrüder Taviani vorgeführt, was Unterdrückung und politische Gewalt mit Menschen anstellen - und der Wunsch nach Auflehnung gegen ein unbarmherziges Schicksal. Konnte "Die Nacht von San Lorenzo", eine Episode aus dem Widerstandskampf der Resistenza gegen die faschistische Miliz, den Irrsinn der Gewalt noch mit absurder Komik durchsetzen, so ist "Das Haus der Lerchen" ein tiefschwarzes Melodram.


Tabu am Bosporus


Noch immer ist der Völkermord an den Armeniern tabu am Bosporus. Und noch immer möchten türkische Regierungsvertreter, dass es so auch außerhalb der Türkei sein möge. Vergangene Woche noch sah der türkische Außenminister Abdullah Gül die Beziehungen seines Landes zu den Vereinigten Staaten ernsthaft gefährdet. Der Grund: eine Resolution des US-Kongresses, in der der Völkermord der Türken von 1915 verurteilt wird. "Wenn diese Resolution verabschiedet wird", so drohte Gül den an einer strategischen Partnerschaft interessierten Vertretern der Bush-Regierung, "warum sollten wir uns weiterhin gegenseitig unterstützen?"

Knapp hundert Jahre nach dem Verbrechen hat der türkische Schriftsteller und Nobelpreisträger Orhan Pamuk es mutig angesprochen - und war prompt von nationalistischen Ultras vor Gericht gezerrt worden. Nach dem Mord an dem armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink floh Pamuk verängstigt ins Ausland.

Nun wird es erneut rumoren, denn ausgerechnet in Berlin - Wohnort für rund 250.000 Türken - wird ein Filmschocker zum Thema welturaufgeführt. Der Verleih ist nervös. Man fürchtet Tumulte, die Festivalleitung hat zusätzliche Sicherheitskräfte eingesetzt.

Hier, im politischen Inferno, entspinnt sich eine mit Moritz Bleibtreu und Paz Vega glänzend besetzte tragische Liebesgeschichte. "Es ist kein Film gegen die Türkei, im Gegenteil", sagen sie, zu Recht. Aber im Recht waren auch die Redakteure, die in Dänemark die bekannten Karikaturen veröffentlicht haben. "Das Haus der Lerchen" könnte zum politischen Skandal dieser Berlinale werden.

Mischung aus Gehorsam und Feigheit

Das Drehbuch basiert auf dem Roman der heute in Padua lebenden Literaturprofessorin Antonia Arslan, der auf die Geschichte ihrer Familie zurückgeht. In einer Provinzstadt lebt die armenische Bürgersfamilie Avakian in Ansehen und der Hoffnung, es werde schon nicht so schlimm kommen. Der Film beginnt privatissime, in Vermeerschem Licht, mit langen Kleidern und schönen Gesichtern. Der Patriarch der Familie ist gestorben, sogar der türkische Colonel Arkan (André Dussollier) verneigt sich vor dem Toten.

Doch dann kommt der Befehl aus Istanbul, und auch Arkan gehorcht. In wenigen Sequenzen wird jene Mischung aus Gehorsam und Feigheit gezeigt, aus Selbstnutz und Niedertracht, die ethnische "Säuberungen" und Pogrome immer wieder möglich macht.

Die Männer und Jungen werden gemartert, kastriert, zerstückelt, die Frauen auf einen Hungermarsch in die Wüste Ostanatoliens geschickt. Der Hausbettler Nazim (gespielt vom palästinensischen Filmemacher Mohammed Bakri) verrät seine Herrschaft, bereut es und versucht, wenigstens den Frauen beizustehen.

Der türkische Soldat Youssuf (Moritz Bleibtreu) ist vom Stolz der überlebenden Tochter Nunik (Paz Vega) angezogen und verliebt sich in sie. Beim Fluchtversuch opfert Nunik sich, damit ihre Nichten entkommen können. Wieder kommt der Befehl: "Erst das Feuer, dann der Kopf." Um Nunik den Scheiterhaufen zu ersparen, enthauptet Youssuf sie selbst.

Unfassbare Grausamkeiten

Die hervorragenden Schauspieler - und die pure Unfassbarkeit des Geschehens - verhindern jede Rührseligkeit, trotz des vielen Theaterbluts und der Kostüme.

Den Tavianis sind Bilder gelungen, die gesehen zu haben der Zuschauer bereuen wird, weil sie ihn noch lange verfolgen werden. Das ist die Leistung und der Fluch des Films.

Er ist unerträglich. Es gibt Zeugenaussagen, wonach Soldaten es armenischen Müttern freistellten, ihre neugeborenen Jungen selbst umzubringen. Es gibt Aussagen, wonach Frauen ihr Baby in einen Rucksack legen und sich mit einer anderen Frau Rücken an Rücken stellen mussten, die Arme gegenseitig eingehakt, und ... - auch wenn es geschehen ist, will man es nicht schreiben. Nicht wissen. Nicht sehen.

Vittorio Taviani sagt dazu: "Das Ermorden von Unschuldigen ist seit den Griechen, seit Shakespeare Teil der Theatergeschichte. Wir haben vor drei Jahren, fast zufällig, die armenische Tragödie entdeckt, durch das Buch von Antonia Arslan. Wir wollten sie mit unseren Mitteln erzählen."

Ideale fünfte Kolonne

Die Kanadierin Arsinée Khanjian ist selbst armenischer Herkunft und hat einen Teil ihrer Familie verloren. In der Rolle der Armineh Avakian bekommt sie den abgesäbelten Kopf ihres Mannes in den Schoß geworfen: "Sie wollte unbedingt in unserem Film mitspielen. Es war eine Art Verpflichtung ihren ermordeten Urgroßeltern gegenüber. Wir versprachen ihr, diese Sequenz nur einmal und ohne Probe zu drehen", sagt Paolo Taviani. "Sie hätte laut Drehbuch schreien sollen. Aber es kam nur ein ersticktes Schweigen heraus. Wir haben es so gelassen."

Die Armenier waren Christen, oft gebildet und wohlhabend. Das machte sie zur idealen fünften Kolonne, als das Osmanische Reich Russland angriff, das Kriegsglück jedoch ausblieb.

In der offiziellen Lesart Ankaras hätten die Armenier während des Krieges umgesiedelt werden müssen, wobei Seuchen und kurdische Stämme ihre Opfer gefunden hätten.

"Eine Million Armenier wurden ermordet. Kaum jemand wagt es, dies auszusprechen", sagte der spätere Nobelpreisträger Orhan Pamuk und wurde sofort Opfer nationalistischer Hetze. Die Verfolgung und Ermordung der armenischen Minderheit ist ein Gründungstrauma der Türkei.

Politische Bedenken gegen das brisante Projekt

Denn es waren die national gestimmten Offiziere, die "Jungtürken", die damals Befehlsgewalt hatten. Den Völkermord als solchen anzuerkennen, hieße einzugestehen, dass die geistigen Wegbereiter der modernen Türkei Männer waren, denen heute jedes Den Haager Tribunal mühelos Kriegsverbrechen nachweisen könnte.

Die allermeisten der damals angeklagten Offiziere kamen jedoch nach dem Krieg bald wieder frei.

Seit 70 Jahren plant das Hollywood-Studio Metro-Goldwyn-Mayer, das Armenier-Epos "Die vierzig Tage des Musa Dagh" von Franz Werfel zu verfilmen. Immer hat es politische Bedenken gegeben. Die Ostflanke der Nato bei Laune zu halten war wichtiger, als einer ohnehin stark dezimierten Minderheit Gerechtigkeit zukommen zu lassen.

Noch heute vermeidet die EU das Wort "Völkermord", um die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei nicht zu belasten.

Der Film ist eine italienisch-französischbulgarisch-spanische Co-Produktion. Im europäischen Filmfonds Eurimage hatte der Delegierte der Türkei versucht, das Taviani-Projekt zu verhindern.

Diesmal vergebens.
 
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 PostPosted: Wed Feb 14, 2007 5:54 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

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FAZ.NET


Von Andreas Kilb
14. Februar 2007
Berlinale


Spiel mir kein Lied vom Genozid

Über den Völkermord an den Armeniern gibt es erst einen einzigen Spielfilm, Atom Egoyans „Ararat“ aus dem Jahr 2002, und selbst dieser geht das Thema sehr indirekt an, als Teil eines großen Bilderpuzzles über Wahrheit und Lüge im historischen und privaten Sinn. Es hat also etwas zu bedeuten, wenn Paolo und Vittorio Taviani mit dem Geld des italienischen, französischen und spanischen Staatsfernsehens in Bulgarien die Ereignisse von 1915 nachstellen; und es bedeutet noch mehr, dass ihr Film „La masseria delle allodole“ („Die Lerchenfarm“) auf den Berliner Filmfestspielen läuft, freilich nicht im Wettbewerb, sondern als „Berlinale Special“ am Rand des offiziellen Programms.


„Die Lerchenfarm“ beginnt als Idyll. In einem Provinznest im Osten des Osmanischen Reichs lebt die Familie Avakian in bürgerlichem Wohlstand, geschützt durch die Mauern ihrer Stadtresidenz und ihre guten Beziehungen zu den örtlichen Autoritäten. Die Tochter des Hauses (Paz Vega) liebt einen türkischen Offizier, ihr Vater (Tcheky Karyo) bewirtet den Militärgouverneur (André Dussollier). Nur der sterbende Großvater sieht im Todeskampf Blut an die Wände spritzen, ein Menetekel, das Schritt für Schritt von der Wirklichkeit eingeholt wird. In Istanbul verschwören sich die Führer der Jungtürken, den „inneren Feind“ auszurotten, in den Städten werden Soldaten zusammengezogen, das Gemetzel hängt wie eine Gewitterwolke in der Luft, bis es schließlich über die Avakians hereinbricht.

Beinahe feierliche Schlachterei

Aber selbst in den Bildern des Mordens bleibt der Film beherrscht, er zeigt den Blutrausch der Türken nicht als sadistischen Exzess, sondern als steife, beinahe feierliche Schlachterei. Der kleine Junge, der von seinem Henker unter dem Klavier hervorgezogen wird, liegt später mit zerfetzter Brust auf einem Leichenhaufen, aber man sieht ihn nicht fallen, so wenig wie den Hausherrn, dessen abgeschlagener Kopf im Schoß seiner Ehefrau Armineh landet. Sie krümmt sich in stummem Entsetzen, doch der Film krümmt sich nicht, er plappert weiter in edelster Fernseh-Prosa, unbedingt hauptsendezeittauglich und seinem Gegenstand zugleich auf stupende Weise unangemessen.

Wie weit sich die Tavianis von der Klarheit und Schlichtheit ihres „Padre Padrone“ oder der „Nacht von San Lorenzo“ entfernt haben, zeigt eine Episode, die auf dem Todesmarsch der armenischen Frauen und Mädchen in die syrische Wüste spielt. Ein Kind ist geboren worden, und weil das Baby männlich ist, muss es sterben. Die türkischen Bewacher stellen der Mutter frei, das Neugeborene selbst zu töten. Armineh (Arsinée Khanjian) bietet ihre Hilfe an. Rücken an Rücken, mit ineinander verschränkten Armen, erdrücken die beiden Frauen das Kind. Aber die Kamera zeigt dieses unfassbare Geschehen nicht in seinem realen Verlauf, sie schneidet hektisch zwischen den Gesichtern und Körpern hin und her, als wollte sie raffen, was nicht zu raffen ist. „Die Lerchenfarm“ ist ein inkonsequenter, zwischen den Abgründen seines Sujets und den Zwängen einer marktgängigen Erzählform schwankender und ästhetisch zerrissener Film. Wer sich vom Opfergang der Armenier, von seinen historischen und individuellen Folgen ein Bild machen will, bleibt nach wie vor auf Egoyans „Ararat“ verwiesen.

Eine Tür aufgestoßen

Dennoch wird der Film der Tavianis Epoche machen, und sei es nur deshalb, weil er eine Lücke im Bildergedächtnis des Kinos sichtbar macht, die nun schon seit mehr als neunzig Jahren besteht. Dass Franz Werfels Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“, die umfassendste Darstellung des Völkermords von 1915, seit langem in Hollywood zur Verfilmung vorbereitet und immer wieder ins Regal zurückgestellt wird, sagt einiges über die Brisanz des Themas, aber auch über die Feigheit der Studios. „Die Lerchenfarm“ hat hier eine Tür aufgestoßen, durch die hoffentlich auch andere gehen werden.

Wie die Türken selbst ein heißes Eisen so anfassen, dass es niemandem auf den Nägeln brennt, zeigt Özer Kiziltans „Takva“, der in Antalya und Toronto bereits Festivalpreise gewonnen hat und in Berlin im Panorama läuft. Die Geschichte vom frommen Toren, der als Geldeintreiber für eine islamische Sekte seinen Glauben verliert, klingt auf Anhieb mutig und frech. Aber Kiziltan traut sich nicht, sein Thema so ernst zu nehmen, wie es ist. Wenn sein Held mit feuchter Hose aus seinen erotischen Träumen erwacht oder den Imam anhimmelt, wirkt er nur lächerlich. Dabei ist das, worum es in „Takva“ geht, alles andere als zum Lachen.
Text: F.A.Z., 14.02.2007, Nr. 38 / Seite 35
Bildmaterial: Berlinale
 
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 PostPosted: Thu Feb 15, 2007 3:18 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

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taz Berlin lokal vom 15.2.2007, S. 26, 133 Z. (Kommentar)
VON DANIEL BAX

Die Blutspur am Fenster
Mit "Das Haus der Lerchen" (Berlinale Special) haben die italienischen Brüder Taviani den Völkermord an den Armeniern als Verschnitt aus opulenter Drastik und zuckriger Lovestory verfilmt

In Atom Egoyans "Ararat", dem bislang bekanntesten Film über den Völkermord an den Armeniern, spielt Charles Aznavour einen armenischen Filmproduzenten. Dieser dreht einen Film über die Massaker, einen Historienschinken, der die schrecklichen Ereignisse von 1915 in Hollywood-Manier möglichst originalgetreu nachstellt und zugleich effektvoll in Szene setzt.

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Solch einen Film gab es in Wirklichkeit bislang nicht. Die beiden italienischen Starregisseure Paolo und Vittorio Taviani haben ihn nun gemacht. "Das Haus der Lerchen" erzählt von einer armenischen Familie, die im Zuge der Verfolgungen fast vollständig ausgelöscht wird.

Atom Egoyan traute dem klassischen Erzählkino nicht zu, den Genozid begreifbar machen zu können. Die Taviani-Brüder dagegen vertrauen voll und ganz auf die emotionale Wirkung des konventionellen Gefühlskinos; allerdings ist ihre Umsetzung erstaunlich bieder geraten.

Als Grundlage diente ihnen ein Roman der italienisch-armenischen Autorin Antonia Arslan, der in Italien ein Bestseller war, und akribisch halten sie sich an den historischen Rahmen: Sie zeigen die Geheimversammlung der jungtürkischen Offiziere, die in Istanbul mit paranoiden Argumenten die Vernichtung der armenischen Minderheit planen. Und sie zeichnen die Todesmärsche nach, bei denen Tausende in die Wüste von Aleppo geschickt wurden: Die Frauen sind Freiwild für die Soldaten, die den Tross begleiten; manche werden gezwungen, ihre neugeborenen Babys zu töten. Solche Szenen machen den Film nur schwer erträglich und bilden einen merkwürdigen Kontrast zur ansonsten eher zuckrigen Kostümfilmästhetik.

Schon zu Beginn des Films kündigt sich das drohende Unheil drastisch an: Im Landhaus der Familie, der "Lerchenfarm", liegt der Großvater und Familienpatriarch auf dem Sterbebett. Als sich ein Enkel zu ihm ins Zimmer flüchtet, hat er eine Erscheinung: Ein dicker Blutstrahl spritzt ans Fensterglas. Später wird das Blut des Vaters, der von einem türkischen Soldaten mit einem plötzlichen Schwerthieb geköpft wird, auf die gleiche Weise ans Fenster spritzen.

Man kann solche Symbolik platt finden oder es als abgeschmackt beklagen, dass die Taviani-Brüder in all dem Grauen immer noch Platz für eine Liebesgeschichte finden. Ausgerechnet zwischen einem türkischen Soldaten (Moritz Bleibtreu), der widerwillig den Treck der Todgeweihten begleitet, und der stolzen Armenierin Nunik entspinnen sich zarte Gefühle. Am Ende wird er sie mit eigener Hand umbringen, um ihr die Folter zu ersparen.

Die rein formale Kritik wirkt allerdings geschmäcklerisch, wenn man bedenkt, dass der Massenmord an den Armeniern, im Unterschied etwa zu den Gräueln der Nazi-Zeit, eben noch nicht hundertfach im Kino abgebildet wurde. Der Film der Tavianis will keine plumpe Anklage "der Türken" sein, aber ein Appell gegen das Vergessen. Und so liegt seine überragende Bedeutung vor allem darin, dass er zeigt, was als historisches Wissen zwar bekannt, aber im Film bislang noch keine populäre Darstellung gefunden hat.

Denn gerade weil der Film so konventionell gestrickt ist, könnte das "Haus der Lerchen" ein breites Publikum finden und ebenso breite Debatten provozieren - vor allem in der Türkei, wo er hoffentlich eines Tages zu sehen sein wird. Auch in Deutschland war es schließlich hauptsächlich Konfektionsware wie "Schindlers Liste" oder die TV-Serie "Holocaust", die Anstöße zu einer öffentliche Auseinandersetzung gab, und nicht das anspruchsvolle Filmschaffen.

Selbst Atom Egoyan könnte das am Ende so sehen: Immerhin spielt seine Ehefrau, die kanadisch-armenische Schauspielerin Arsinée Khanjian, im "Haus der Lerchen" eine Hauptrolle.

"Das Haus der Lerchen". Regie: Paolo Taviani, Vittorio Taviani. Mit Paz Vega, Moritz Bleibtreu, Alessandro Preziosi, Ángela Molina. Italien/Bulgarien/
Spanien/Frankreich 2007, 122 Min. Heute, 17.45 Uhr, Cubix

taz Berlin lokal vom 15.2.2007, S. 26, 133 Z. (Kommentar), DANIEL BAX
 
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mercredi 14 février 2007, Stéphane/armenews
CINEMA

Il était une fois en Arménie

La masseria delle allodole - The Lark Farm - de Paolo Taviani et Vittorio Taviani

Les Avakian sont une riche famille arménienne dont font partie Aram, un gros propriétaire terrien qui vit dans une bourgade turque, et Assadour, un médecin renommé de Venise.


Extrait du film voir ici: www.armenews.com


Les frères ne se sont pas vus depuis longtemps et conviennent de se retrouver en Arménie. Tandis qu’Assadour s’occupe des préparatifs pour le voyage, les membres de la famille qui vivent en Arménie remettent la vieille propriété en état pour accueillir les visiteurs de l’étranger. Des menuisiers, des peintres et d’autres artisans s’activent pour tout réparer et l’on songe même à aménager un court de tennis pour les Italiens. Entre-temps, la situation politique s’est aggravée de façon dramatique. Tandis que les Jeunes Turcs, qui ont pris le pouvoir en 1913, rêvent désormais d’un grand empire turc, l’Italie et la France constituent en 1915 une alliance contre la Turquie et l’Autriche.

Assadour espère vainement pouvoir encore retourner dans son pays natal lorsque l’enfer se déchaîne en Arménie. Les Jeunes Turcs ordonnent le massacre de la population arménienne. Aram et sa famille sont eux aussi découverts dans leur cachette. Les hommes sont exécutés et les femmes contraintes à la déportation.

C’est une marche vers une mort certaine, mais les femmes de la famille Avakian ont un protecteur. Nunik, la fille d’Aram, est tombée amoureuse d’un officier turc. Il veille à ce que sa bien-aimée et le reste de la famille n’aient pas à endurer encore davantage de souffrances. Pourtant, les femmes sont encore loin d’être en sécurité.
 
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 PostPosted: Thu Feb 15, 2007 3:32 pm    Post subject: Reply with quote Back to top

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Thomas Kunze
14.02.2007 20:41 Uhr

Grauenvolle Bilder
Eine Stecknadel könnte man fallen hören. Viele Zuschauer im Berlinale-Film „Das Haus der Lerchen” schlagen immer wieder die Hände vors Gesicht. Andere starren mit weit aufgerissenen Augen auf die Leinwand ­ als wollten sie nicht glauben, was sie da sehen. Doch die grauenvollen Bilder deritalienischen Regisseure Paolo und Vittorio Taviani über den Massenmord an den Armeniern im Osmanischen Reich spiegeln historische Wahrheit wider.

Die Brüder betonen, dass die Darstellung der Gräuel an den Armeniern bis ins Detail historisch belegt sei. Abgesehen von „Ararat” (2002) des kanadisch-armenischen Filmemachers Atom Egoyan gibt es bislang kaum größere Spielfilme über den Völkermord während des Ersten Weltkriegs an den Armeniern, der in der Türkei bis heute offiziell bestritten wird. Die Vereinten Nationen bewerten die von langer Hand geplanten Massaker als Völkermord.

Der Film, in dem Moritz Bleibtreu einen türkischen Soldaten spielt, läuft in der Reihe „Berlinale Special” im offiziellen Programm des Festivals. Er zeigt den von den so genannten Jungtürken im Ersten Weltkrieg begangenen Massenmord am Beispiel einer wohlhabenden armenischen Familie in einer türkischen Kleinstadt. Trotz oder gerade wegen dieser Reduktion macht der Film ein eigentlich unvorstellbares Martyrium deutlich. Die männlichen Armenier vom Säugling bis zum Greis werden von der Soldateska sofort abgeschlachtet. Die Frauen und Mädchen werden auf den Todesmarsch in die Wüste geschickt und sind dabei Freiwild für die Wachmannschaften. Am Ende werden auch noch die wenigen Überlebenden massakriert.

Berichte, dass das Werk auf dem Festival Proteste und Tumulte besonders bei der Türkischen Gemeinde auslösen könnte, wies die Polizei zurück. Der Bundesvorsitzende Kenan Kolat sagte, er wolle sich den Film unbedingt ansehen. „Solche Filme können einen Beitrag zum Dialog leisten, aber auch Dialog verhindern.”


Thomas Kunze
14.02.2007 20:41 Uhr
 
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Video

Weltpremiere unter Polizeischutz
Premiere von "Haus der Lerchen"

Reibungslose Premiere auf der Berlinale: Ohne Zwischenfälle ist am Mittwochabend in Berlin der Film "Das Haus der Lerchen" über den Massenmord an den Armeniern in der Türkei 1915 uraufgeführt worden.

videos:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/14/0,4070,4363502-0,00.html
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/2/0,4070,4362882-0,00.html
 
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Trailer / Video here:

http://www.youtube.com/watch?v=Y1av5P4FB8I
http://www.mymovies.it/dizionario/trailer.asp?id=46752
 
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